Kranke Seelen

Mailand | Strauss: Die Frau ohne Schatten

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Ein orientalisches Märchen haben Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal nach eigenem Bekunden zur Oper ausgestaltet, als sie mitten im Ersten Weltkrieg «Die Frau ohne Schatten» schufen. In Claus Guths Regie an der Mailänder Scala wird aus dieser poetischen Allegorie à la «Zauberflöte» der reale Alptraum einer leidenden Frau. Schon die resolute, emanzenhaft kecke Krankenwärterin Michaela Schusters (darstellerisch und mit reich moduliertem Ammen-Alt gleichermaßen brillant) treibt jede Erinnerung an tradierte Rollenprofile aus.

Claus Guth entführt uns in die Welt der Seelenkrankheiten, um die Hofmannsthal und Strauss wussten und um die sie mit brokatener Sprache und musikalischer Fi­nesse nur oberflächlich einen Bogen schlugen.

Es geht um einen Vater (Keikobad, als stumme Rolle in drohender Hirschgestalt) und einen fernen Gatten (mit wundervollem Tenor und hilfloser Jägergestik: Johan Botha). Und um die junge Frau Kaiserin, eingeklemmt zwischen den Rollen von heiliger Tochter und brünstiger Geliebter. Davon fühlt sie sich – wie viele ihrer Geschlechtsgenossinnen – überfordert. Sie flieht, vorbei an unheimlichen Tiermenschen. Weil Guth auf die Kraft der Bilder vertraut, nicht alles ...

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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Birgit Pauls

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