Kopfgeburt

Wagner: Die Walküre am Staatstheater Saarbrücken

Opernwelt - Logo

Ein starker Moment: Wotan spielt Simultanschach gegen seine Walküren, er ist so überlegen, dass er gegen eine nach der anderen gewinnt, aber nicht gegen Brünnhilde. Beide haben ihre Freude daran. Schiebt sich die menschliche und beziehungsreiche Seite nach vorne, gewinnt auch der Abend sofort an Fahrt.

Insgesamt aber bleiben die beiden Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka, die auch für die Ausstattung verantwortlich zeichnen, unerbittlich bei ihrem Konzept, in das sie in Saarbrücken nun den zweiten Teil von Richard Wagners Tetralogie, «Die Walküre», hineinpressen.

Dieses Konzept trifft sogar in einen Kern des Geschehens und ist in seiner strammen Durchführung doch eine reine Kopfgeburt - und wie viele Kopfgeburten auf Dauer sogar einfältig, weil sie nicht in neue, schillernde Lesarten weist, sondern die Regie auf Biegen und Brechen bloß durchzieht, was sie sich vorgenommen hat. Der Kern des Geschehens: Wotan folgt seiner Agenda, in der er einen neuen Menschen braucht, einen freien, um seine Taten (und Untaten) ins Lot zurückzubringen – was in Saarbrücken aber schon keine Rolle mehr spielt. Denn hier ist es die Firma WLHLL, die in einem Labor bedenkenlos mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Judith von Sternburg

Weitere Beiträge
Alles easy, Franz

Das Vorbild ist übermächtig. Nichts Geringeres als Hans Zenders Übermalung der «Winterreise» wird im Booklet-Text angeführt und zugleich konstatiert: Mit der «Schönen Müllerin» habe keiner Vergleichbares gewagt. Wagemut und Chuzpe sprechen daraus – Andreas N. Tarkmann, Komponist und Arrangeur, hat sich selbst die Messlatte (zu?) hoch gelegt. Dabei ist das Vorhaben...

Rette sich, wer kann (das Leben)

Der tschechische Musikwissenschaftler Vladimír Karbusický zitierte in seinen Hamburger Seminaren mit ironisch zusammengekniffenen Augen gern die (natürlich von ihm stammende) strukturelle «Ur-Formel» alles Klingenden: «Musik ist Wiederholung und Variation.» Das war im letzten Jahrhundert und besitzt, trotz der ironischen Simplizität des Merksatzes, einen wahren...

Die Verdammten

Die berühmteste Passage in Tschaikowskys «Eugen Onegin» ist die große Briefszene der Tatjana im ersten Akt: Die schwärmerisch veranlagte, sich vor der russischen Langeweile in die Literatur flüchtende junge Frau ist jäh für den abgebrühten Großstädter Onegin entflammt und schreibt ihm nachts einen glühenden Brief, in dem sie ihm ihre Liebe gesteht. Das Aufwallen...