Kopfgeburt
Ein starker Moment: Wotan spielt Simultanschach gegen seine Walküren, er ist so überlegen, dass er gegen eine nach der anderen gewinnt, aber nicht gegen Brünnhilde. Beide haben ihre Freude daran. Schiebt sich die menschliche und beziehungsreiche Seite nach vorne, gewinnt auch der Abend sofort an Fahrt.
Insgesamt aber bleiben die beiden Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka, die auch für die Ausstattung verantwortlich zeichnen, unerbittlich bei ihrem Konzept, in das sie in Saarbrücken nun den zweiten Teil von Richard Wagners Tetralogie, «Die Walküre», hineinpressen.
Dieses Konzept trifft sogar in einen Kern des Geschehens und ist in seiner strammen Durchführung doch eine reine Kopfgeburt - und wie viele Kopfgeburten auf Dauer sogar einfältig, weil sie nicht in neue, schillernde Lesarten weist, sondern die Regie auf Biegen und Brechen bloß durchzieht, was sie sich vorgenommen hat. Der Kern des Geschehens: Wotan folgt seiner Agenda, in der er einen neuen Menschen braucht, einen freien, um seine Taten (und Untaten) ins Lot zurückzubringen – was in Saarbrücken aber schon keine Rolle mehr spielt. Denn hier ist es die Firma WLHLL, die in einem Labor bedenkenlos mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Judith von Sternburg
Bühnenbilder von Karl-Ernst Herrmann bewegten sich immer «in einer unnachahmlichen Spannung zwischen den hinreißenden Details und dem großen Ganzen Schönen», schrieb Gerhard Stadelmaier 2018 in seinem Nachruf für die FAZ. Das große Ganze, meistens auch Schöne ist bekannt: Herrmanns Anfänge mit Kurt Hübner in Ulm und Bremen, die höchst individuellen (Ent-)Würfe für...
In Verdis «La traviata» einzutauchen, komme ihm vor «wie ein Besuch im Spa», erklärt der Tenor Matthew Vickers. «Es fühlt sich einfach gut an, mich in diesem Stück zu bewegen, es ist wie ein Gesundheitstag für die Stimme.» In der Rolle des Alfredo kann man den 38-Jährigen zurzeit am Staatstheater Darmstadt erleben, wo er seit Beginn dieser Spielzeit fest engagiert...
Dass sie sich zu wenig auf die gegenwärtige Wirklichkeit einlassen, wirft man den Stoffen aktueller Opern mit Recht vor. Aber das gilt nicht für die Stücke, die für Jugendliche geschrieben und komponiert werden. Manch älterem Zuschauer rauchte gewiss der Kopf über das, was an bunten, grell-poppigen Bildern und Klängen pausenlos auf ihn einstürmte bei der...
