Komplexe Emotionen

Eine echte Novität: André Cardinal Destouches’ Tragédie en musique «Télémaque et Calypso»

Opernwelt - Logo

Von den 102 Bühnenwerken, die zwischen dem Tod Jean-Baptiste Lullys 1687 und Jean-Philippe Ra -meaus spektakulärem Opernerstling «Hippolyte et Aricie» 1733 an der Pariser Académie royale de musique aufgeführt wurden, hat gerade eine Handvoll im Gedächtnis der Nachwelt überlebt. Dass die Schätze dieses Füllhorns nach und nach gehoben werden, verdanken wir dem unermüdlichen Engagement des Centre de musique baroque de Versailles, das uns in Zusammenarbeit mit der Opéra Royal auf deren eigenem CD-Label ständig neue Entdeckungen präsentiert.

Dazu gehört auch André Cardinal Destouches, neben André Campra der führende französische Opernkomponist zwischen 1700 und 1720. Schon die 2007 von Hervé Niquet eingespielte, gerade eben neu aufgelegte grandiose Aufnahme seines Meisterwerks «Callirhoé» (Glossa GCD 921634) wirkte elektrisierend. 2021 stillte Versailles die Neugier mit Destouches’ «Sémiramide» und legt nun, wiederum mit dem Ensemble «Les Ombres» unter der Leitung von Margaux Blanchard und Sylvain Sartre, mit «Télémaque et Calypso» aus dem Jahr 1714 eine weitere Tragédie en musique des am französischen Hof zu höchsten Ämtern aufgestiegenen Komponisten nach.

In einer Zeit des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 32
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Wundertüte am Weserstrand

Hübsch hier. Ein gepflegtes Quadrat auf gepflastertem Untergrund, mit zahlreichen Sitzbänken, riesigen Blumentöpfen, kleinen Pavillons samt Fähnchen, auf denen der Spruch «Viel Flut tut gut» zu lesen ist, mit jungen Bäumen und vielen Cafés und Gaststätten drum herum, die so poetische Namen wie «Marlene» oder «Burger & Bar – The place to B» tragen. Auch die...

Sehen, was man schon hört

Der Waldweg nach La Verna ist beschwerlich. 120 Kilometer nördlich von Assisi liegt die Einsiedelei, die der Graf Orlando dei Cattani einst dem Franz von Assisi als Rückzugsort anbot. Die heilige Ruhe dort sei geeignet für die Betrachtung Gottes. Als der heilige Franziskus den Berg besucht, empfängt ihn «eine große Schar Vögel unter fröhlichem Singen und...

Palimpsest

Warum spuckst du mich an?», fragt Richard die aufgebrachte Anne, die Witwe des Prinzen Edward, den er auf dem Gewissen hat. Von ihrem Speichel getroffen, hat sich zuerst der Tänzer Richard zusammen -gekrümmt, der dessen Körper darstellt. Dann der Sänger, der wohl seine Seele verkörpert. Und zuletzt reagiert eben der Schauspieler, das Sprachrohr seines Intellekts....