Klingende Konstruktionen
Diese Musik schwimmt auf leichter Welle, sie krault munter dahin, mitunter scheint sie zu schweben. Joan Albert Amargós’ «Orpheus und Eurydike»-Vertonung verbindet zwei Genres, die Oper und das Marionettentheater. Glücklicher hätte die Stoffauswahl kaum ausfallen können, um die Welten der konventionellen Oper mit ihrem klassischen Gesang auf der einen Seite und das Spiel von Puppen mit ihren durch ein Zungeninstrument bis zur Unkenntlichkeit deformierten Lauten auf der anderen Seite zusammenzuführen.
Hier feiern Drahtzieher Pulcinella und die schicksalsbeladene Mythen-Eurydike ein kammermusikalisches Stelldichein, das der 1950 geborene Amargós liebevoll und bis in Details stimmungsvoll hergerichtet hat. Allerdings weiß der Hörer nie so ganz genau – und eigentlich soll er es auch nicht wissen –, was gerade wie gemeint ist. Denn «Eurídice y los titres de Caronte» ist ein Spiel auf doppeldeutigem Boden, ständig schaukeln Leben und Tod, Spott und Trost ineinander und zueinander. Eine Klang gewordene Dekonstruktion, sozusagen.
Das einstündige Werk, das beim Festival Grec 2001 in Barcelona uraufgeführt wurde und ein Jahr später in Lörrach auch deutschen Boden erreichte, ist Amargós’ erste ...
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Zum Scheitern führen viele Wege. Die Regisseure der beiden Opern-Neuproduktionen zu Beginn der laufenden Spielzeit am Badischen Staatstheater, Robert Tannenbaum bei «Simon Boccanegra» und Denis Krief, der seine Auseinandersetzung mit dem «Ring des Nibelungen» nach dem «Rheingold» im vorigen Jahr jetzt mit der «Walküre» fortgesetzt hat, gingen von diametral...
Im Scheinwerferkreis erst eine Hand, dann eine rote Clownsnase, schließlich der, der sie sich aufsetzt: ein kleiner, dicker Mann, den blauen Frack überm Unterhemd, über der Smokinghose. Er stolpert wie Butler James, bloß über den Souffleurkasten, gibt mehrfach vergeblich das Zeichen zum Einsatz der Musik. Wir haben es mit dem wandelnden Leitmotiv des ganzen Abends...
Manchmal weiß man schon nach wenigen Sekunden, wie musikalisch ein Regisseur, eine Regisseurin ist. An diesem Abend in Magdeburg, der voller musikalischer Zweifel steckt, weil das von Alexander Steinitz geleitete Orchester einen rabenschwarzen Tag erwischt hat, genügt die Ouvertüre, um solches festzustellen. Vorne, vor dem noch geschlossenen Vorhang, sitzen...
