Kleine Sprünge
«Ich will lieben, aber um zu genießen, / ich rühme mich nicht, beständig zu sein»: So klingt ein Don Giovanni des Jahres 1680, auch wenn er Lindoro heißt. Tatsächlich hat Bernardo Pasquinis für Rom komponierte Oper «L’Idalma overo Chi dura la vince» denselben Ursprung in der spanischen Mantel-und-Degen-Komödie wie Mozarts Oper. Die Männer sehen ebenso ihre Ehre durch den chronischen Schwerenöter verletzt, und die weibliche Titelfigur will ihn ebenso unerbittlich in die eingegangene Ehe zwingen wie einhundert Jahre später Elvira.
Nur, dass sie im Gegensatz zu dieser am Ende Erfolg hat – was die Sache mindestens aus Gegenwartsperspektive um einiges läppischer macht. «Wer aushält, gewinnt», der Stückuntertitel gilt bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik auch fürs Publikum, denn das üppige, an äußerer Handlung arme Libretto verliert sich zwischen diversen Paaren in verständniserschwerender barocker Liebesrabulistik. In der Tradition der frühen Oper vertont es Pasquini ganz aus der Rhetorik der Sprache, während die ariosen Formen noch offen sind, oft von folkloristischer Schlichtheit leben, insgesamt aber nicht von großer melodischer Erfindungsgabe zeugen.
Vielleicht ist es ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Michael Stallknecht
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