Klappe zu

Puccini: Manon Lescaut
Berlin | Staatsoper

Hollywood. Irgendwann in den 1920ern. Ein Probedreh im Studio. «Sunset Motion Pictures» heißt die Traumfabrik, die Jürgen Flimm sich von George Tsypin hat ins Schiller Theater bauen lassen. Scheinwerfer, Schminktische, Kameras, Mikros, Best Boys, Glitzergirls – alles stilecht. Auf einer Leinwand Ozeandampfer, Straßenszenen, eine Fahrt im Cabrio, Gesichter in Schwarzweiß (Video: Robert Pflanz). Der Laden brummt, die Geschäfte mit den Zelluloidgeschichten laufen glänzend.

Auf Reichtum und Ruhm geeicht ist hier nicht nur der Zigarre qualmende Mann im tadellosen Zweireiher, der das Kommando führt: Geronte de Ravoir. Er entscheidet, wer groß rauskommt und wer im ewigen Klappstuhlwartestand versauert. Auch in dem Melodrama der jungen, vollseiden schimmernden Frau, die gerade zur audition erscheint, spielt er eine Schlüsselrolle.

Wie eine Diva des guten alten Kinos betritt Manon Lescaut die Szene: ein Kunstgeschöpf – schlank, elegant, schön, mit schulterlangem dunklen Haar und rubinroten Lippen. Aber auch eine Frau, die weiß, was sie will, nämlich «Star» werden. Dumm nur, dass sie sich in einen Komparsen namens Des Grieux verguckt, der am Set den melancholisch-karierten ...

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Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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