Klangschatten
Kaija Saariahos erste Oper «L’Amour de loin» war ein Auftragswerk der Salzburger Festspiele und kam im Sommer 2000 in der Felsenreitschule heraus, dirigiert von Kent Nagano (siehe OW 11/2000). Fünf Jahre später wurde die Inszenierung von Peter Sellars an der Oper von Helsinki auf DVD mitgeschnitten, nun dirigiert von Saariahos Landsmann Esa-Pekka Salonen. Wie bei der Uraufführung sang Dwayne Croft den aus französischer Ferne liebenden Troubadour Jaufré und Dawn Upshaw seine angebetete Clémence im fernen Tripolis. Liebe, das heißt in diesem Stück vor allem: höfische Minne.
Jaufré sublimiert seine Leidenschaft durch Poesie. Und diese Poesie schafft sich ihr Objekt quasi selbst. Die besungene Frau ist ein Traumbild. Als sich der Troubadour ins Morgenland aufmacht, um sie zu treffen, stirbt er in ihren Armen. Clémence geht ins Kloster, und der Schluss lässt offen, ob sie einen fernen Gott anbetet oder ihre «Liebe aus der Ferne». Ein feinsinniges Sujet um Liebes- und Lebensangst, Sehnsucht, Erfüllung und Vergehen (Text: Amin Maalouf), ein zartes, bisweilen preziöses Klanggespinst, gegen das sich selbst offenkundige Vorbilder wie «Tristan und Isolde» und «Pelléas et Mélisande» handfest ...
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