Kinokinetik im Land der Mangas
Steht man vor den großen Opern und Kunstmuseen in Europa oder Amerika, ist die Assoziation Tempel, Palast, Festung fast unvermeidlich. Schier uneinnehmbar scheinen sie, Treppen führen hinauf zur hohen Kunst: «Meisterwerke» wie Gehäuse für die Ewigkeit bestimmt, das schlechthin Museale als «Einschüchterung durch Klassizität» (Bertolt Brecht). Doch alles bleibt nicht beim Alten: Selbst die ehrwürdigsten Gemäldegalerien reorganisieren ihre scheinbar ein für allemal fest sortierten Bestände.
Und ausgerechnet die Oper, bürgerliches Repräsentationsgenre par excellence, stand als radikalste multimediale Innovation des Barock stets für Paradigmenwechsel aller Art: ästhetisch, politisch, sozial, technisch – elitär und populär zugleich. Als synthetisches «Gesamtkunstwerk» ist sie allenfalls mit dem Kino vergleichbar – inklusive wechselseitiger Grenzüberschreitungen: Zur Oper gehört der Film wie dieser zu jener, kulturhistorisch wie kunstaktuell.
Und kaum eine Oper gibt, aller Eingängigkeit zum Trotz, so viele Rätsel auf wie «Die Zauberflöte», changierend zwischen Esoterik und Vorstadtposse. Natürlich werfen auch der Zweifler Hamlet und das «Lächeln der Mona Lisa» Fragen auf, die kaum je ...
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Hätten sie es vergeigt, das Stück wäre nicht mehr zu retten gewesen. Aber GMD Hermann Bäumer, der mit einem überlauten Wirkungstreffer anfangs Luzifer höchstselbst (Peter Felix Bauer) auf die Bretter schickte, bekam die Klangbalance schnell in den Griff, bevor Vida Miknevičiūtė erschien, die sich dann das Orchester schlicht und ergreifend unterwarf. Einem Fixstern...
Der Schlussgag hätte besser nicht klappen können. Fröhlicher Applaus im erschreckend spärlich besuchten Theater Basel. Karl-Heinz Brandt, eben noch ein engagierter Auktionator, stolpert beim Schritt zurück, strauchelt und stürzt. In diesen Augenblicken passiert etwas Faszinierendes: Man kann spüren, wie das gewissermaßen kollektive «Hoppla» einer unschönen Angst...
Erst erwürgt Madame Mao ihren Gatten, dann schießt sie alle anderen über den Haufen, Amerikaner wie Chinesen. Schließlich ist es ihr Stück, das hier gespielt wird: «Das Rote Frauenbataillon» sollte, wie alles in Maos Ära, die Vergangenheit den kommunistischen Grundsätzen dienstbar machen, was mit einem Leichenberg aus 50 Millionen Toten endete. Im Libretto von...
