Kinokinetik im Land der Mangas

Die Trickfilm-«Zauberflöte» der Komischen Oper Berlin tourt seit Jahren um die Welt. Nun gastierte sie in Japan. Notizen zu einem globalen Exportschlager

Steht man vor den großen Opern und Kunstmuseen in Europa oder Amerika, ist die Assoziation Tempel, Palast, Festung fast unvermeidlich. Schier uneinnehmbar scheinen sie, Treppen führen hinauf zur hohen Kunst: «Meisterwerke» wie Gehäuse für die Ewigkeit bestimmt, das schlechthin Museale als «Einschüchterung durch Klassizität» (Bertolt Brecht). Doch alles bleibt nicht beim Alten: Selbst die ehrwürdigsten Gemäldegalerien reorganisieren ihre scheinbar ein für allemal fest sortierten Bestände.

Und ausgerechnet die Oper, bürgerliches Repräsentationsgenre par excellence, stand als radikalste multimediale Innovation des Barock stets für Paradigmenwechsel aller Art: ästhetisch, politisch, sozial, technisch – elitär und populär zugleich. Als synthetisches «Gesamtkunstwerk» ist sie allenfalls mit dem Kino vergleichbar – inklusive wechselseitiger Grenzüberschreitungen: Zur Oper gehört der Film wie dieser zu jener, kulturhistorisch wie kunstaktuell.

Und kaum eine Oper gibt, aller Eingängigkeit zum Trotz, so viele Rätsel auf wie «Die Zauberflöte», changierend zwischen Esoterik und Vorstadtposse. Natürlich werfen auch der Zweifler Hamlet und das «Lächeln der Mona Lisa» Fragen auf, die kaum je ...

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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Reportage, Seite 52
von Gerhard R. Koch

Vergriffen
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Zauberhaft

Gott ist tot? Von wegen. Allgegenwärtig ist er, allwissend, allmächtig. Und vor allem laut. Ungezählte Male an diesem Abend ist sein (elektronisch gesteuerter) Donner im weiten Rund der Komischen Oper Berlin zu vernehmen, und mag es geschlagene eineinviertel Stunden dauern, bis wir Jupiters endlich ansichtig werden (verkleidet, als vornehmem...

Impressum Juli 2018

59. Jahrgang, Nr 7
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Best.-Nr.     752313

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Beziehungsreich

Einen ausgewiesenen Bezug zur Opernbühne haben die drei Werke in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht. Auch lassen sie sich kaum ohne Weiteres thematisch aufeinander beziehen. Dennoch fügen sich Arnold Schönbergs «Pierrot lunaire», Kurt Weills «Mahagonny-Songspiel» und seine «Sieben Todsünden» in dieser außergewöhnlichen Inszenierung zu einem schlüssigen Tableau....