Kathartisch, praktisch, gut

An der Staatsoper Hannover macht Regisseur Daniel Kramer aus «Nixon in China» ein aufregend buntes wie politisch deftiges Glanzstück

Opernwelt - Logo

Mit dem Libretto von Alice Goodman war wohl der Komponist von «Nixon in China» – der nicht gerade mit geringem Selbstbewusstsein beschenkte John Adams – nicht sehr zufrieden. Tatsächlich knarzt es im Text hier und da doch gewaltig hölzern und gewollt. Sicher, das Stück ist selbst ja schon als eine Farce angelegt, die der politischen Situation zwischen den USA und China vor rund 50 Jahren «entspricht».

Im Februar 1972 flog der damalige US-Präsident Richard Nixon (im «Gepäck» seine Frau Pat, die im Stück selbst immer mal wieder zur Quasi-Hauptperson wird) bekanntlich mit dem unlängst 100 Jahre alt gewordenen (damaligen Staatssekretär) Henry Kissinger nach China, um dort Premierminister Chou En-lai und den schwerkranken Mao zu treffen.

Die überlieferten Bilddokumente der historischen fünf Tage dieses absurden Trips gingen dank einer großen medialen Inszenierung um die ganze Welt: ein (fragwürdiges?) «Vorbild» aller heutigen Nachrichtenbeiträge über Politikerreisen inklusive Handschlag, Begegnung mit der einheimischen Bevölkerung und einem reichhaltigen (in der Gestaltung von John Adams zum Albtraum degenerierenden) Sightseeing-Programm. Eine Oper, die gegenwärtig in Koblenz, Paris, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 31
von Arno Lücker

Weitere Beiträge
1923 ist heute!

Es war ein Jahr voller Krisen, dieses 1923: Hyperinflation, die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen, der dadurch angestachelte Nationalsozialismus (mit bekannten, schlimmsten Folgen wenige Jahre später). In seinem Buch wirft der 1975 geborene Tobias Bleek ein besonderes, intensives, immersives, informatives Dauerschlaglicht auf die...

Keine Sonne, nirgends

Antonio Pappano hat es im Kontext zu seiner aktuellen «Turandot»-Einspielung sehr richtig beschrieben: Mögen Franco Alfanos Ergänzungen von Giacomo Puccinis unvollendeter Oper auch stilistisch nicht ideal sein – sie sollten nicht gekürzt werden. Denn das «Schmelzen der Eisprinzessin» bedarf dieser musikalischen Ausdehnung, um annähernd nachvollziehbar zu sein.

In...

Spielpläne 8/23

P = Premiere 
ML = Musikalische Leitung 
I = Inszenierung 
B = Bühnenbild 
K = Kostüme 
C = Chor 
S = Solisten 
UA = Uraufführung 

 

DEUTSCHLAND 
Annaberg-Buchholz 
Winterstein-Theater www.winterstein-theater.de 
-Künneke, Herz über Bord: 12. (P), 13., 20., 24., 27. (Naturbühne Greifensteine) ML: Klug, I: Pauli, B+K: Scherm, C: Pilato, S: Rößner, Szabó,...