Kampf der Geschlechter
Plüschig geht es nicht zu im Palast von Mustafà, dem Bey von Algier. Mag das Théâtre du Capitole auch ein wenig nach Puppenstube aussehen – auf der Bühne herrscht die blanke Moderne. Der Bey bewohnt ein Penthouse, natürlich mit Meerblick. Alles ist blendend weiß und sehr übersichtlich. Hier gibt es keine Serailgemütlichkeit, aber auch keine islamistischen Gebräuche. Alkohol fließt reichlich, und statt Vermummten bekommen wir eine Unterwäschemodenschau vorgeführt.
Die Damen sehen aus, als hätten sie sich in der Erotikabteilung von H&M eingekleidet, im zweiten Akt gibt es sogar einen vollwertigen Striptease – so ästhetisch, dass die striptiseuse zu Recht im Programmheft namentlich genannt wird.
Dabei ist diese Inszenierung ganz und gar keine sexistische Show, was bei diesem Plot – eine vermeintlich unterworfene Frau wird zur Herrscherin über die Herzen und sagt an, wo’s langgeht – auch unglaubwürdig wäre. Regisseurin Laura Scozzi hält stattdessen als Schlusspointe noch eine feministische Zuspitzung parat. Bei ihr macht sich der Bey nicht nur zum Narren, indem er sich zum pappataci küren und als solcher allen Argwohn beiseite lässt, um sich auf den Genuss und den Müßiggang zu ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Rainer Wagner
Herr Eötvös, Sie sind 1966 als junger Mann von Budapest nach Köln gezogen, um dort zu studieren. Durch einen Zufall begegneten Sie wenige Tage nach der Ankunft Karlheinz Stockhausen. Daraus entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit, die zehn Jahre währte. Klingt dieser frühe Einfluss bis heute nach?
Ja und nein. Ich habe von Stockhausen vor allem...
Ihre Stimme ist ein Wunder des Wandels: Sie haben als Mezzo mit barockem Repertoire begonnen, dann kamen Mozarts Sopran-Partien, heute singen Sie Berlioz’ Cassandre. Wie ist diese ungewöhnliche Entwicklung zu erklären?
Das ist alles andere als ein Wunder! Als ich anfing, träumte ich von Norma oder Leonora, schließlich bin ich eine italienische Sängerin. Als mir...
Im Jahr 1836 dirigierte Richard Wagner in Magdeburg die Uraufführung seiner zweiten Oper: «Das Liebesverbot». Es muss eine chaotische Aufführung gewesen sein: Zu wenig Proben, überforderte Sänger, private Konflikte innerhalb des Ensembles: Nun, genau 180 Jahre später, fand in Straßburg die französische Erstaufführung des Frühwerks statt – sorgfältig vorbereitet,...
