Kaleidoskop, farblos
Es nützt nichts, wir müssen über den Fall Kent Nagano sprechen. Der US-Amerikaner mit japanischen Wurzeln hat hauptsächlich im Europa eine respektvoll aufgenommene Karriere absolviert, deren Rang und Prominenz gemessen an der künstle -rischen Ausbeute doch einige Rätsel aufgibt. Die Premiere von Modest Mussorgskys «Boris Godunow» an der Hamburgischen Staatsoper in der Ur-Fassung von 1868/69 ließ einen erneut fassungslos zurück.
Vielleicht verdankt sich Naganos Renommee dem verschlossenen Exotismus seiner Person, der Verbindung zu Olivier Messiaen (dessen Schüler er war und als dessen kundigster Interpret er angeblich gilt), dem Anschein von Demut und Bescheidenheit, einigen positiven Kritikerstimmen in Main-Stream-Medien sowie politischen Entscheidern, die niemals wegen ihrer musikalischen Inkompetenz hätten etwas entscheiden dürfen – und ihn in wichtige Ämter in Berlin (Deutsches Symphonie-Orchester), München (Bayerische Staatsoper) und zuletzt Hamburg beriefen. Bezeichnend ist, dass Nagano nicht zu den regel -mäßigen Gastdirigenten der Wiener und Berliner Philharmoniker und der großen US-amerikanischen Orchestern gehört.
Natürlich funktioniert nach seiner Zeichengebung vieles. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Götz Thieme
JUBILARE
Judith Forst wurde am 7. November 1943 im kanadischen New Westminster geboren. An der University of British Columbia studierte sie Gesang und feierte bereits 1968 ihr Debüt an der Metropolitan Opera als Page in Verdis «Rigoletto». Weitere Rollen an der «Met» waren unter anderem Tebaldo in Verdis «Don Carlo», Stéphano in Gounods «Roméo et Juliette»,...
Als die Ruhrtriennale 2002 unter der Intendanz von Gerard Mortier als Kunstfestival für das Ruhrgebiet erstmals über die Bühne(n) ging, stellten sich dem Gründungsteam zwei Hauptaufgaben, an denen sich auch seine bislang sechs Nachfolger abgearbeitet haben: Wie lassen sich, erstens, die von der Industrie verlassenen Baudenkmäler von der Bochumer Jahrhunderthalle...
Es ist ein altes Lied im Opernkanon: Die Frau, die zu stark ist, wird entweder brutal ermordet, begeht Selbstmord, tanzt in den Wahnsinn oder löst sich anders tragisch auf. Was zu stark ist, muss zerstört werden, um die alte Ordnung wiederherzustellen. Und dies ist nicht das einzige Problem: Um den Ausstattungswert zu erhöhen, wird die Handlung oft in märchenhafter...
