Kabinettstückchen
Man spielt die alten Rollen weiter, gibt die Lügen von einst als Wahrheit aus, lässt die Leichen im Keller schmoren. Das wird schon gut gehen, so lange niemand, der dort nicht ohnehin seit Jahren sein Unwesen als Untoter treibt, dieses Horrorhaus betritt und nachfragt. Doch der parsifaleske reine Tor, Student Arkenholz (Yoonki Baek singt die extrem hohe Tenorpartie frei, leicht und glänzend), ein echtes Sonntagskind, kann Tote sehen. Eine entlarvende Fähigkeit, die das rituell wiederholte Geistersouper, dem die immer gleichen Gäste beiwohnen, gehörig durcheinanderwirbelt.
Ein Kabinettstückchen der Gesellschaftssatire bringt Regisseur Julian Pölser am Theater Lübeck da auf die Bühne. Strindbergs Text scheint so bereits auf den bitterbösen Thomas Bernhard vorauszuweisen. Und Aribert Reimanns Kammeropern-Anverwandlung von 1984 besticht in ihrem radikal reduzierten, dabei atmosphärisch intensiven, gestisch geladenen musikalischen Filigran als eine ungemein assoziationsreiche Avantgarde von subkutaner Wirkungsmacht. Andreas Wolf und das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck entfachen dazu eine fein ausgehörte, intonatorisch sublime tosende Stille immer neuer Erinnerungsfetzen ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Peter Krause
Giacomo Puccini höchstpersönlich saß am 22. Mai 1898 neben anderen Berühmtheiten im Publikum des römischen Teatro Costanzi, als die Oper «Iris» von Pietro Mascagni, der wie er selbst aus der nördlichen Toskana stammte, uraufgeführt wurde. Sein ehemaliger Kommilitone war früh erfolgsverwöhnt: Mit «Cavalleria rusticana» hatte er 1889 den ersten Preis beim...
Drei Frauen. Vereint im Leiden an der Welt, an der Liebe, an den Männern. Sämtlich suchen sie ihr Seelenheil im sehnenden, flehenden Gebet, für das Giuseppe Verdi und Pietro Mascagni ihnen die ergreifendste Musik auf die Stimmbänder geschrieben haben; eine Musik, die in dünner Höhenluft schwelgt und schwelt, und das, wenn man so will, chromatisch ansteigend. Verdis...
«Das britische Volk hat gesprochen», proklamiert Atholl Swainston-Harrison in sphinxhaftem Ton. «Mit dem Ergebnis muss jetzt umgegangen werden.» China, Russland oder die USA: Als Chief Executive der International Artist Managers' Association (IAMA) hat er den Überblick über Arbeits- und Reisebedingungen auf der ganzen Welt. Wenn jemand die Folgen des Brexits für...
