Kabinettstückchen
Man spielt die alten Rollen weiter, gibt die Lügen von einst als Wahrheit aus, lässt die Leichen im Keller schmoren. Das wird schon gut gehen, so lange niemand, der dort nicht ohnehin seit Jahren sein Unwesen als Untoter treibt, dieses Horrorhaus betritt und nachfragt. Doch der parsifaleske reine Tor, Student Arkenholz (Yoonki Baek singt die extrem hohe Tenorpartie frei, leicht und glänzend), ein echtes Sonntagskind, kann Tote sehen. Eine entlarvende Fähigkeit, die das rituell wiederholte Geistersouper, dem die immer gleichen Gäste beiwohnen, gehörig durcheinanderwirbelt.
Ein Kabinettstückchen der Gesellschaftssatire bringt Regisseur Julian Pölser am Theater Lübeck da auf die Bühne. Strindbergs Text scheint so bereits auf den bitterbösen Thomas Bernhard vorauszuweisen. Und Aribert Reimanns Kammeropern-Anverwandlung von 1984 besticht in ihrem radikal reduzierten, dabei atmosphärisch intensiven, gestisch geladenen musikalischen Filigran als eine ungemein assoziationsreiche Avantgarde von subkutaner Wirkungsmacht. Andreas Wolf und das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck entfachen dazu eine fein ausgehörte, intonatorisch sublime tosende Stille immer neuer Erinnerungsfetzen ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Peter Krause
Üblicherweise sorgt der ausgeweidete, mit Augen- und Nasenhöhlen sowie spitzen Zahnreihen versehene, von Kerzen illuminierte Kürbiskopf für Grusel. Zumal zu Halloween. Dass das massive Gemüse dem Schrecken aber umgekehrt auch Einhalt zu gebieten vermag, lehrt uns das Album «Heinrich Albert’s Pumpkin Hut» von Dorothee Mields und dem Hathor Consort unter Romina...
Worüber man im wahren Leben tunlichst schweigen sollte, davon lässt sich im Märchen trefflich erzählen. Und während Kinderfabeln mit ihren idealen Prinzessinnen und Königen als (Arche-)Typen des «Es war einmal» und «... dann leben sie noch heute» ihre zeitlosen Wahrheiten verkünden, gleichen Märchen für Erwachsene fast immer heimlichen Zeitstücken. Die geraten...
Ab und zu ist da die große Vereinsamung. Dann nämlich, wenn sich die Gruppe der ersten Violinen im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg zum Dienst versammelt und – bis auf eine Ausnahme – nur Frauen an den Pulten sitzen. Geschmunzelt werde in solchen Momenten, sagt Solveigh Rose, Geigerin und Mitglied des Orchestervorstands. Und gern über den «Quotenmann»...
