Jenseits der Wolken
Alexander Zemlinskys «Traumgörge» war vom Unglück verfolgt. Die 1907 in Wien bereits fertig geprobte Uraufführung dieses Hauptwerks des deutschen Fin de Siècle wurde nach Mahlers Rücktritt als Direktor der Hofoper abgesetzt und fand erst 1980 in Nürnberg statt – lange nach Zemlinskys Tod 1942 im Exil. Wie spätere Inszenierungen benutzte sie ein korruptes Notenmaterial, das erst jetzt durch die kritische Neuausgabe ersetzt werden konnte.
In Frankfurt entfaltet sich die ganze vokale Pracht und orchestrale Farbenvielfalt, aber auch die polyphone Verdichtung und virtuose Formbeherrschung dieser luxurierenden Partitur. Das Psychodrama um den mit sich selbst und der Welt ringenden Görge findet in der Musik statt, die in der Tradition von Wagner, Mahler, Strauss und Debussy steht. Zemlinsky verschmilzt die Einflüsse zu einem ganz eigenen, zwischen Traum und Wirklichkeit, Ekstase und Labilität schwebenden Ton, der in jedem Akt einen anderen Klang besitzt, um in den Schlusstakten fast schon wie ins Nichts der Atonalität zu verwehen.
Das mit über 80 Musikern üppig besetzte Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der Leitung von Markus Poschner wurde dieser oft dramatisch sich ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
Dass sie sich zu wenig auf die gegenwärtige Wirklichkeit einlassen, wirft man den Stoffen aktueller Opern mit Recht vor. Aber das gilt nicht für die Stücke, die für Jugendliche geschrieben und komponiert werden. Manch älterem Zuschauer rauchte gewiss der Kopf über das, was an bunten, grell-poppigen Bildern und Klängen pausenlos auf ihn einstürmte bei der...
Clair-Obscur», so war jene 2021 erschienene CD betitelt, auf der Sandrine Piau die zwischen Licht und Schatten changierende spätromantische Liedkunst von Richard Strauss, Alexander von Zemlinsky und Alban Berg erkundete. Jetzt widmet sie sich, unter dem Stichwort «Reflet», den Widerspiegelungen von Poesie und Gesang in der französischen Musik des 19. Jahrhunderts....
Im Theater stehlen echte Tiere auf der Bühne den Menschen zuverlässig die Schau. Allerdings protestieren zunehmend Tierschützer gegen den Einsatz der unfreiwilligen Bühnenstars. Menschen in Tierkostümen dagegen kommen heute fast nur noch in Kinderstücken vor. Und da, wo sie im Erwachsenen-Theater verlangt sind – etwa bei Janáčeks «Schlauem Füchslein» – widerstehen...
