Ist seine Zeit endlich gekommen?
Zwei Prellböcke stehen auf der Bühne. Der Vorhang im Festspielhaus Bregenz ist noch geschlossen, da fällt schon der Blick auf die beiden stählernen Puffer, die wie Mahnmale erscheinen. Endstation Auschwitz. «Hier gibt es nur einen Ausgang. Durch den Schornstein des Krematoriums», singt in Mieczyslaw Weinbergs Oper «Die Passagierin» eine verrückt gewordene Alte (beängstigend: Helen Field) den Neu-ankömmlingen zur Begrüßung. Mehr als eine Million Menschen wurden in diesem Vernichtungslager von den Nazis getötet. Nur wenige haben diese Hölle überlebt.
Eine von ihnen ist Zofia Posmysz.
Die polnische Journalistin hat schon früh über die furchtbaren Geschehnisse im Lager geschrieben, die auch sie lange verdrängt hatte. 1959 war sie auf der Place de la Concorde, um für den polnischen Rundfunk über den ersten Direktflug von Warschau nach Paris zu berichten. Die Stimme einer deutschen Touristin schreckte sie auf. Sie erinnerte sie an die Stimme von Anneliese Franz, ihrer Aufseherin in Auschwitz. Posmyszs Novelle «Die Passagierin» bildet die Basis des von Alexander Medwedew verfassten Librettos zu Weinbergs gleichnamiger Oper. Sie erzählt von der Begegnung Marthas, einer ehemaligen ...
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