Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein
Eine Komödie ist eine Komödie ist eine Komödie? Glauben wir Henri Bergson, verhält es sich etwas komplizierter. Es gibt Komödien, die aus sich selbst heraus wirken und den Bereich des Komischen nie verlassen, sie sind derb und direkt. Aber es gibt, siehe Tschechows Theaterstücke, auch Komödien, denen das Tragische immanent ist, ohne dass sie diese Immanenz transzendieren würden: Das Tragische ist hier gewissermaßen die Substanz der Komödie.
Eine dritte Form ist die Komödie, die das Absurde in sich birgt, wobei das Absurde nicht im herkömmlichen Sinne absurd ist, sondern eine Absurdität evoziert, die aus der Komik hervorgeht.
Sie ist, darauf verweist Bergson in seinem Essay «Le rire» mit philosophischem Augenzwinkern, «keine Ursache, sondern Wirkung – eine ganz spezielle Wirkung, in der sich die besondere Natur der sie erzeugenden Ursache widerspiegelt».
In Molières Schauspielen kann man dieses Phänomen wunderbar beobachten: Das Gelächter resultiert aus der Ernsthaftigkeit, mit der seine fast ausnahmslos männlichen Hauptfiguren ihre absurden Ansichten vertreten. Und auch im «Rosenkavalier» des kongenialen Gespanns Hofmannsthal-Strauss wird, leicht abgeschwächt, evident, was ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 6
von Jürgen Otten
Allein die fehlerhafte Übersetzung zeigt, wie fern uns die Figur ist. Gottesnarr, Jurodstwo, damit ist eigentlich der «Narr in Christo» gemeint, eine irdische Figur – mit mutmaßlich heißem Draht nach oben. Heiliger, verehrter und gefürchteter Außenseiter, Wahrheitskünder, verspotteter Gaukler – alles fällt in dieser Figur zusammen, bei Puschkin, auch bei...
Sensibel in der Zeichnung der Figuren, subtil in der Reduzierung der Partitur auf gerade mal fünf Instrumente und spannend erzählt wie ein Krimi – so kommt diese maximal verdichtete Version von «Pelléas et Mélisande» daher. Das impressionistische Drame lyrique, das Debussy als Sohn des Fin de Siècle 1902 mit scheinbar von der Welt entfernter Entrücktheit auf den...
Unter den Bühnenwerken von Gaetano Donizetti findet sich kein einziges mit dem Namen «Bastarda». Was jetzt am Théâtre La Monnaie an zwei Abenden zu sehen war, trug gleichwohl diesen Titel und den Namen des Komponisten. Der zureichende Grund: In vier Opern Donizettis spielt Elisabeth Tudor, die Tochter Heinrichs VIII., eine zentrale Rolle. Olivier Fredj nahm dies...
