Intuition und Vertrauen
Herr de Caluwe, La Monnaie ist das erste «Opernhaus des Jahres», das nicht im deutschsprachigen Raum steht. Hat der Titel deshalb für Sie einen anderen Stellenwert?
Natürlich gelten einige Faktoren für uns ebenso wie für ein deutsches Haus: der Effekt auf das Publikum, die motivierende Wirkung in das Haus hinein. Aber davon abgesehen hat die Wahl zum «Opernhaus des Jahres» für La Monnaie tatsächlich eine ganz spezielle Bedeutung. Denn für mich war immer wichtig zu betonen, dass wir ein europäisches Opernhaus sind: das Opernhaus der Hauptstadt Europas.
In diesem Sinne gehören Deutschland und Frankreich ebenso zu Brüssel wie wir zu Deutschland und Frankreich. Und ich glaube, dass wir aus diesem Grunde auch eine ganz besondere Aufgabe haben: Schon meinen Vorgängern Gerard Mortier und Bernard Foccroulle ging es darum, mit den Mitteln der Kunst zu zeigen, dass die vielfältigen nationalen Ausprägungen der europäischen Kultur ein funktionierendes, harmonisches Ganzes ergeben, ohne dass die Individualität der einzelnen Stimme deshalb verloren geht. Dazu gehört, dass wir dieses gemeinsame Erbe in einem kollektiven Prozess weiter entwickeln müssen – denn nichts anderes signalisiert ja die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 10
von Peter de Caluwe
Mieczyslaw Weinberg war einer der bedeutendsten Komponisten seiner Zeit. Dennoch blieb er überall heimatlos. Durch seine Musik dokumentierte er den Genozid der europäischen Juden. Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg hatte seine Musik keine Chance. Bis sie jetzt von den Bregenzer Festspielen wiederentdeckt wurde.
Im Zentrum des Weinberg-Programms stand die szenische...
Eigentlich ist es nur konsequent: Nachdem seit über dreißig Jahren praktisch alle ernsten Opern Rossinis eine vorher unvorstellbare Renaissance erlebt haben, nachdem auch weniger bekannte Titel von Donizetti wie «Maria Stuarda» oder «Roberto Devereux» mit einiger Regelmäßigkeit auf den Spielplänen erscheinen, war es eine Frage der Zeit, bis auch der dritte...
Der junge Händel hat während seines Rom-Aufenthalts 1707/08 zwei Oratorien komponiert: «Il trionfo del tempo e del disinganno» («Der Triumph von Zeit und Enttäuschung») und «La resurrezione» («Die Auferstehung»). Bekanntlich waren im päpstlichen Rom zu dieser Zeit private wie öffentliche Theateraufführungen verboten. Also tarnte man die Opern als geistliche...
