Apropos... Quereinsteiger

Dass er das Singen zum Beruf machen würde, wurde Charles Workman erst nach den ersten Auftritten bewusst. Auch die rechte Stimmlage stand für den aus Little Rock, Arkansas, stammenden Tenor keineswegs von Anfang an fest. Ein passionierter Sängerdarsteller, der seit drei Jahrzehnten auf den Bühnen der Welt zu Hause ist und jüngst – in Bergen sowie in Rom – sein breites Repertoire um zwei neue Rollen erweitern wollte

Herr Workman, Sie wollten zunächst Schauspieler werden ...
So ist es. Meinen ersten Uni-Abschluss habe ich im Sprechtheater gemacht. Mit 21 bin ich sogar für ein Jahr nach New York gegangen, ohne irgendwo engagiert zu werden. Nebenher habe ich Trompete gespielt und Gesangsunterricht genommen. Damals habe ich nie an Oper gedacht, eher schon konnte ich mir eine Laufbahn als Liedersänger vorstellen. Aber ich habe schnell begriffen, dass man davon nicht leben kann. Als ich an der Juilliard School studierte, kamen erste Engagements.

Eigentlich bin ich in diesen Beruf reingerutscht.

Wann waren Sie sich sicher, dass das Singen Ihre Berufung ist?
Als ich anfing, sagte ich mir: Wenn du bis 30 noch nicht an der Met gesungen hast, hörst du auf und versuchst es wieder als Schauspieler (lacht). Dank einiger glücklicher Umstände hat es mit der Met geklappt. Also habe ich weitergemacht.

Heute kommt erst der Gesang, dann das Spiel?
Nein. Für mich greifen vokaler, sprachlicher und gestischer Ausdruck untrennbar ineinander. Das Entscheidende ist die Verkörperung von Figuren, Stimmungen und Situationen auf der Bühne. Die Stimme ist für mich Teil eines größeren Ganzen. Im Übrigen habe ich den ...

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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Albrecht Thiemann