Apropos... Musikdramaturgie

Er hat in Paris Gerard Mortier assistiert, das Konzert- und Opernprogramm der Ruhrtriennale gestaltet und immer den Dialog mit Schauspiel und Tanz gesucht. Zu Beginn der neuen Spielzeit übenimmt JAN VANDENHOUWE die künstlerische Leitung der Opera Vlaanderen in Antwerpen und Gent

Herr Vandenhouwe, wozu braucht man eigentlich Musikdramaturgen?
Wenn man zum Beispiel mit Schauspielregisseuren oder Choreografen arbeitet, die keine Erfahrung mit Oper haben, muss jemand da sein, der sie auf die Besonderheiten des Musiktheaters vorbereitet ...

Also Künstler wie Johan Simons, der zwar keine Noten liest, aber Beethovens «Fidelio», Wagners «Rheingold» und manches mehr inszeniert hat. Sie stehen dann mit der Partitur bei Fuß?
Johan kommt ja vom Tanz, er hat ein sehr feines Gespür für Musik.

Und trotzdem ist es oft so, dass die sinnvolle Verzahnung von Wort, Bewegung und Klang der Perspektive des Notentextes bedarf. Ein Musikdramaturg sollte genaue Analysen zu allen Aspekten des jeweiligen Stücks bieten. Nehmen wir «La clemenza di Tito»: Da ist eine Auseinandersetzung mit römischer Mythologie und Geschichte, mit der Zeit Mozarts und mit der Frage gefordert, was uns das alles heute angeht. Um solche Tiefenbohrungen geht es.

Kann man die nicht von den Regisseuren selbst erwarten?
Wenn jemand ahnungslos in Konzeptionsgespräche oder Proben geht, ist das natürlich wenig hilfreich. Ich habe das allerdings noch nicht erlebt. Dramaturgen sollten nicht als Ausputzer dienen, ...

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Opernwelt August 2019
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Albrecht Thiemann