Der geschärfte Blick

David Marton forscht in Schauspiel und Oper nach Möglichkeiten, Klangwelten in szenische Wirklichkeiten umzusetzen. Ein Gespräch über das Stadttheater, alte Mitstreiter sowie über die Frage, ob Inszenieren gesteigertes Leben bedeutet

Lieber Herr Marton, ist das gute, alte Stadttheater, wie es in Deutschland existiert, generell ein Ort für Sie?
Es ist eher die Frage, ob es ein Ort für Musiktheater ist. In Deutschland existiert immerhin dieser Begriff «Musiktheater», der auch experimentelle Formen jenseits der Oper oder des Musicals bezeichnet. Aber institutionell existiert diese Genre – anders als das Tanztheater, das zu einem eigenständigen Genre jenseits des Balletts geworden ist – auch hier nicht wirklich.

Als ich in der freien Szene, in den Berliner Sophiensaelen angefangen habe, schwebte mir so etwas vor: Musiktheater als Pendant zum Tanztheater, ein Theater erschaffen aus Musik, hauptsächlich mit Musikern auf der Bühne. Dann kamen Stadttheater auf mich zu, die das gesehen hatten, und ich dachte: Dort machen wir weiter, aber zu besseren Produktionsbedingungen. Daraus ist eine mehr als zehnjährige Reihe von Experimenten entstanden, in denen ich verschiedene Produktionsformen ausprobiert habe. Glückliche Situationen hatte ich vor allem an der Volksbühne in Berlin, unter der Leitung von Frank Castorf, und auch zuletzt wieder bei meiner Inszenierung von Allen Ginsbergs Poem «Howl», während der Intendanz von ...

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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Interview, Seite 28
von Jürgen Otten