Ins Glück getragen
Schon mit den ersten Takten hebt sich ein Glitzervorhang und gibt den Blick frei auf Anna. Sie blättert in einem Lifestyle-Magazin, zieht sich die Lippen nach und rasiert die Waden.
Oder sollten wir es doch mit Manon zu tun haben, die, wie wir gelesen haben, bei einem
gewissen Abbé als Romanheldin auftaucht und später, ebenfalls lange her, von einem Franzosen zum Rätselgeschöpf einer Oper gemacht wurde? Die Lippen, die Waden, die Pose – das ist doch Anna, die schöne Anna, die wir als weltoffene Menschen schon kennen aus der Schmuckwerbung und von den Badewannenpostern in der U-Bahn. Die Anna, die die Callas von heute sein soll, wie unsere Tante in einem Fachblatt las. Die reizende, junge Anna, die von der grausamen PR-Maschinerie so schrecklich gehypt werden soll, wie unsere Freunde sagen, die wieder Freunde haben, die fast jedes Jahr in Salzburg sind. In der Pause schauen wir in das mit schönen Goldbuchstaben geschmückte Programmbüchlein. Da schreibt der Regisseur, er habe seine Aufführung nur für Anna kreieren wollen. Seinen Namen haben wir noch nie gehört, aber er muss eine Größe sein, hat für Madonna und Michael Jackson und am Broadway arbeiten dürfen und kommt vom Film. Wie ...
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Ihre Augen funkeln wie glühende Kohlen, krampfhaft zucken ihre Hände, die Haare stehen zu Berge, der Wahnsinn scheint ihr Pate. Buryja, die Küsterin, quält sich mit ihrer Schuld, peinigt sich in der Hoffnung, dass Jenufas Hochzeit rasch und reibungslos über die Bühne gehen möge.
Eindringlich verkörpert Dalia Schaechter die Rolle der Küsterin Buryja, nicht nur am...
Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Bowery im Süden Manhattans eine miserable Adresse. Verbarrikadierte Shops, zugemüllte Gehsteige, Autowracks, Schnapsleichen: urbanes wasteland. Touristen, hieß es, sollten das Gebiet zwischen Little Italy und Lower East Side lieber meiden. Dreißig Jahre später ist die Gegend kaum wiederzuerkennen, scheint ihre...
«In Osten wob ich. In Westen wand ich». Klingt nach Wagner. Stimmt auch. Das Zitat stammt aus der Kompositionsskizze zu «Siegfrieds Tod» von 1850. Bereits für ihr Weimarer «Rheingold» hatten Regisseur Michael Schulz und Dramaturg Wolfgang Willaschek aus dem Fragment Stoff für einen Prolog gewonnen. Vor Beginn der «Walküre» nun wird die Vorgeschichte der Oper stumm...
