Ins Glück getragen
Schon mit den ersten Takten hebt sich ein Glitzervorhang und gibt den Blick frei auf Anna. Sie blättert in einem Lifestyle-Magazin, zieht sich die Lippen nach und rasiert die Waden.
Oder sollten wir es doch mit Manon zu tun haben, die, wie wir gelesen haben, bei einem
gewissen Abbé als Romanheldin auftaucht und später, ebenfalls lange her, von einem Franzosen zum Rätselgeschöpf einer Oper gemacht wurde? Die Lippen, die Waden, die Pose – das ist doch Anna, die schöne Anna, die wir als weltoffene Menschen schon kennen aus der Schmuckwerbung und von den Badewannenpostern in der U-Bahn. Die Anna, die die Callas von heute sein soll, wie unsere Tante in einem Fachblatt las. Die reizende, junge Anna, die von der grausamen PR-Maschinerie so schrecklich gehypt werden soll, wie unsere Freunde sagen, die wieder Freunde haben, die fast jedes Jahr in Salzburg sind. In der Pause schauen wir in das mit schönen Goldbuchstaben geschmückte Programmbüchlein. Da schreibt der Regisseur, er habe seine Aufführung nur für Anna kreieren wollen. Seinen Namen haben wir noch nie gehört, aber er muss eine Größe sein, hat für Madonna und Michael Jackson und am Broadway arbeiten dürfen und kommt vom Film. Wie ...
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Ein schöneres Geschenk hätte sich Bernard Foccroulle zum Ende seiner fünfzehnjährigen Intendanz am Théâtre de la Monnaie kaum wünschen können: Strawinskys mozartisch luftiger, parodistisch buntscheckiger Operngimmick «The Rake’s Progress» als fulminantes Zaubertheater. Für diesen im besten Sinne unterhaltsamen Abend war Robert Lepage verantwortlich, der als...
Der Dichter war hingerissen. «Am Neujahrsabend hat mir Glucks ‹Iphigena auf Tauris› einen unendlichen Genuss verschafft, noch nie hat eine Musik mich so rein und schön bewegt als diese, es ist eine Welt der Harmonie, die gerade zur Seele dringt und in süßer, hoher Wehmut auflöst.» So Friedrich Schiller anno 1801. Nun weiß man, Schiller war ein Idealist. Doch...
Manchmal schnürt der Zufall spannende Pakete. Etwa, als sich Frank Martin im Frühjahr 1938 mit dem «Tristan»-Roman des wenige Monate später gestorbenen Mediävisten Joseph Bédier beschäftigte. Just zu diesem Zeitpunkt fragte Robert Blum bei Martin an, ob er nicht ein rund halbstündiges Stück für seinen Madrigalchor komponieren wolle. So kamen der Tristan-Stoff,...
