Infame Lauterkeit

Eine Frage der Akustik: Eindrücke aus der kürzlich neu eröffneten Elbphilharmonie in Hamburg

Es ist lange her, dass Hamburger sich für Musikereignisse in ungemütlichen Kassenvorräumen in Schlafsäcken wälzten, um zwei, drei Tage später Karten für Pavarotti- oder Domingo-Gastspiele an der Staatsoper zu ergattern. In den 1970er-, 80er-Jahren war das zuletzt so, dann noch zweimal, als Vladimir Horowitz in der Laeiszhalle spielen sollte. Hamburg und die Musik, das ist ein zwischen Bürgerstolz (ältestes Opernhaus Deutschlands, gegründet 1677!) und Ignoranz (es muss sich rechnen, wir sind Kaufleute!) pendelndes Verhältnis.

Dabei mangelt es nicht an berühmten Namen, die hier wirkten: C. P. E. Bach, Telemann, Johann Mattheson, Händel, Mahler, Felix Mendelssohn und Johannes Brahms wurden an der Elbe geboren.

Und dann erfasste die Stadt nach der Jahrtausendwende eine Art Musikrausch. Am 21. Dezember 2001 strichelte der Basler Architekt Jacques Herzog, animiert von Hamburger Freunden, eine zackig gewellte Silhouette aufs Papier. Als Skizze war die Elbphilharmonie geboren, ein kristallener Klunker, der auf einem Kakaospeicher aus den 1960er-Jahren aufsitzt. Airbus, Logistik, Medien, Chemie, Handel – alles schön und gut, fortan aber wollte man Musikstadt sein. Bis es so weit war, ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Götz Thieme