Indien, virtuell

Venedig, Massenet: Le Roi de Lahore

Mit seinem ersten Operndirigat im auferstandenen «Teatro La Fenice» huldigte Venedigs Musikchef Marcello Viotti seiner besonderen Leidenschaft: der Pariser «Grand Opéra». Massenets Fünfakter «Le Roi de Lahore», ein seit langem wenig gespielter Klassiker der Gattung, erlebte unter Viotti, der zugleich auch eine kritische Edition der Partitur besorgte, eine hörenswerte, wenn auch stellenweise von Längen beschwerte Wiederbelebung.


Die Oper aus dem Jahr 1877, an der Massenet zusammen mit seinem Librettisten, dem Pariser Salonlöwen Louis Gallet, sieben Jahre gefeilt hat, spielt in der Stadt Lahore – heute Pakistan – und ist im 11. Jahrhundert angesiedelt. Sie bedient mit ihrem Indien-Flair das Bedürfnis des Pariser Publikums nach exotischen Stoffen. Ein großer Teil der Bourgeoisie hatte bei französischen Kolonialabenteuern erkleckliche Summen erwirtschaftet und fühlte eine gleichwohl virtuelle Nähe zum Orient. Die Geschichte ist wahrscheinlich beeinflusst von der «Reise um die Welt» des Comte de Beauvoir, trägt aber auch Züge des Orpheus-Mythos. Es geht um ein Liebespaar, den König Alim von Lahore und die Tempelpriesterin Sità, das sein irdisches Glück wegen des Rivalen Scindia nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Birgit Pauls

Vergriffen
Weitere Beiträge
Don Quijote auf Speed

An der Wiederentdeckung des Opernkomponisten Antonio Vivaldi hat «Orlando Furioso» gewichtigen Anteil: Die weltweit ausgestrahlte szenische Produktion dieser Oper anlässlich des Vivaldi-Jahres 1978 mit Marilyn Horne in der Titelrolle machte ein breites Publikum erstmalig darauf aufmerksam, dass Händel nicht der einzige Barockkomponist gewesen ist, der Opern...

Jahrhundert der Probeläufe

Das Spektrum ist groß. Immens groß. Es reicht von Loïe Fullers innovativem Tanz um 1900 bis zu dessen Vereinnahmung durch das Video, von Hindemiths Ein­aktern bis zu modernen Blinden- und Gerhörlosenstücken. Das experimentelle Musik- und Tanztheater des 20. Jahrhunderts auf knapp 400 Seiten zu einer Art Handbuch zu verknappen, ist so schwierig, wie den Kölner Dom...

Herunter vom Podest

Frau Schäfer, szenische Annäherungen an Schuberts «Winterreise» haben derzeit Hochkonjunktur. Sie haben die vierundzwanzig «schaurigen Lieder» in einem Duisburger Indust­riebau gesungen. Worin besteht für Sie der dramatische Impetus dieses Zyklus?
Ich finde, dass die «Winterreise» gar nicht so schaurig und tragisch ist, wie immer behauptet wird. Natürlich ist der...