In Amors Welt

Gluck: Orfeo ed Euridice GREIFSWALD | THEATER VORPOMMERN 

Opernwelt - Logo

Orpheus leidet mächtig. Der Styx besudelt ihn aus drei Eimern mit Wasser, Erde und Blut. Eurydike erweist sich als ebenso zickig wie begriffsstutzig, während Amor sein Vexierspiel treibt und das Liebespaar zurückpfeift, wenn ihm etwas nicht passt. Dieser schelmische Cupido bedient sich tatsächlich einer Trillerpfeife, mit der er auch gern die Musik zerschneidet. Man fühlt sich ein bisschen wie bei Hansa Rostock – was immerhin 2. Fußball-Bundesliga ist und insofern vielleicht besser als die Unterwelt.

Man fühlt sich aber leider auch wie bei der Schlagershow des NDR: Eurydike ergreift das Mikro und hält einen inhaltlich und sprachlich peinlichen Monolog zum Thema Liebe; das Orchester, eigentlich recht gut in Form, darf dazu den Reigen der seligen Geister abspulen. Auch das Finale wird kräftig aufgemotzt: Amor verteilt – zu Ballettmusik – Sichtkarten unters Hörervolk, das nun darüber abstimmen darf, ob das tragische Paar wirklich verloren ist oder noch eine zweite Chance erhalten soll. Das Votum fällt klar positiv aus und steht als instruktiver Irrtum eindeutig im Gegensatz zur tragischen italienischen Fassung, für die sich Greifswald entschieden hat. 

Neudramaturgische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
«Ne me touche pas!»

Sensibel in der Zeichnung der Figuren, subtil in der Reduzierung der Partitur auf gerade mal fünf Instrumente und spannend erzählt wie ein Krimi – so kommt diese maximal verdichtete Version von «Pelléas et Mélisande» daher. Das impressionistische Drame lyrique, das Debussy als Sohn des Fin de Siècle 1902 mit scheinbar von der Welt entfernter Entrücktheit auf den...

Kleiner grüner Baum mit Teufel

Verdis Oper «La forza del destino» dreht sich um die tragische Liebe zwischen Leonora und Don Alvaro. Die verbindende Liebe zwischen beiden erfährt massive Beeinträchtigungen:  durch die Konflikte zwischen den jeweiligen Familien und durch gesellschaftliche Vorurteile. Am 1. April war die Premiere dieser Oper am Staatstheater Kassel. 

Der österreichische Regisseur...

Herumstehen auf Kreta

Der Staatsoper Berlin kann man regieseitig in Sachen Mozart für das vergangene Jahrzehnt nicht gerade ein brillantes Zeugnis ausstellen. Angefangen von einer der schwächsten Arbeiten des späten Hans Neuenfels («La finta giardiniera», 2012) – damals noch in der Ausweichspielstätte Schiller-Theater – zog sich das optische, bewegungsmäßige und konzeptuelle Unglück...