Im Nonsenshaus

Boesmans: On purge bébé im Theatre la Monnaie in Brüssel

Opernwelt - Logo

Menschen tendieren gelegentlich zu Dummheit und Spießigkeit. Doch: kein Grund zur Aufregung! Oder: wenn Aufregung, dann im Opernhaus! Philippe Boesmans jedenfalls erfüllte sich mit seinem letzten Werk den lang gehegten Wunsch nach einer komischen Oper.

Mit seinem Stammhaus, dem Théâtre La Monnaie, durch vier Jahrzehnte und ein halbes Dutzend Uraufführungen eng verbunden, griff der im April vergangenen Jahres verstorbene Komponist dazu auf Georges Feydeaus Farce «On purge bébé» von 1910 zurück, in der eine Darmverstopfung und die folgende Weigerung eines Siebenjährigen, ein Abführmittel zu schlucken, inflationär Peinlichkeiten zeitigen. So fährt der renitente Nachwuchs dem Vater just zu dem Zeitpunkt in die Parade, als dieser bei einer Produktpräsentation zum Armeelieferanten für Nachttöpfe avancieren möchte. Nur gut, dass des Kindes Konstipation den ministeriellen Aufkäufer ins Schwärmen über seinen Kuraufenthalt versetzt. Die Analfixierung des Ganzen mündet in die unbeabsichtigte Verkostung des Purgativs durch den eifrigen Fabrikanten und einen ministeriellen Spitzenbeamten – mit entsprechend gravierenden en Folgen. Unterdessen glaubt die Mutter des Kindes, ihr erzieherisches ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Michael Kaminski

Weitere Beiträge
Nun ja

Die Frage ist exakt so alt wie die Geschichte der Musik selbst: Soll, darf, kann oder muss man sogar originale Kompositionen bearbeiten, arrangieren, umschreiben, um ihnen andere, neue Facetten hinzuzufügen? Gewinnt ein Klavierstück dadurch, dass man es in eine Fassung für Orchester gießt? Sind die Klangfarben womöglich reicher, wenn man ein Klavierquartett zur...

In guter Tradition

Der Teufel hol’ den deutschen Kontrapunkt!», so fluchte Richard Strauss einmal ironisch. Aber nicht bloß in der Partitur der «Meistersinger von Nürnberg» seines Vornamenskollegen regiert im Stimmengeflecht der ausdrucksvolle Widerpart. Auch szenisch versteht sich Regisseur Keith Warner darauf. «Wach auf!» schmettert der Chor etwa als Huldigung an Hans Sachs – doch...

Höllenfahrt am Horizont

Die Szene kennt man so auch aus Barrie Koskys wegweisender Inszenierung von Wagners «Meistersingern» bei den Bayreuther Festspielen. Hermann Levi, der jüdische Uraufführungsdirigent des «Parsifal», wird vom Hofstaat des Komponisten gedemütigt: «Das Esszimmer der Wagners verzerrte sich in seinen Umrissen immer mehr und mehr zur bizarren Karikatur der Perspektiven...