Im Krallenschritt
Was für ein Herrscher! Nicht nur faul, feist und fett ist er, sondern auch noch dumm, primitiv und überheblich. Aufs Regieren hat er definitiv keine Lust. Den lieben langen Tag vergammelt er unrasiert, unfrisiert im gestreiften Schlafanzug unter dem Plumeau seines Donald-Trump-protzigen Bettes, seine beiden Söhne jagt er allein aus Bequemlichkeit in die Schlacht. Bis zum Platzen pumpt Alexey Tikhomirov den Zaren Dodon mit Ekel auf und verleiht seinem Bass eine ebenso staatstragende wie wohltönende Leere.
Die Brüsseler Inszenierung von Laurent Pelly spitzt Nikolai Rimski-Korsakows satirisches Märchen zu, macht aus ihm eine gewitzte Groteske, die keinen Deut weniger über gegenwärtige politische Verhältnisse auszusagen vermag, als es eine konkrete Aktualisierung hätte leisten können. Dabei hatte sich Rimski-Korsakow mit seinem (erst posthum, 1909, uraufgeführten) «Goldenen Hahn» wieder einmal ganz und gar dem Märchenhaften und Unpolitischen verschrieben – dass Kunst und Politik nichts miteinander zu tun haben, trug der Komponist als Glaubensgrundsatz gerne vor sich her. So überlässt der Astrologe dem Zaren Dodon ein magisches Stück Federvieh, das die Fähigkeit besitzt, mit seinem ...
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Hübsch hier. Die verwinkelte Innenstadt, der langgestreckte Marktplatz, eingerahmt von sanierten Altbauten. Im Rathaus aus dem 16. Jahrhundert der obligatorische Ratskeller. An diesem Adventssonntag sind im ostthüringischen Altenburg einige Buden geöffnet, es riecht nach Bratwurst, aus den Lautsprechern dringt, etwas zu laut, nicht ganz so weihnachtliche...
Er kam, dirigierte – und siegte. 22 Jahre jung war der Sohn eines Schusters aus dem nordfranzösischen Waziers, als er 1946 sein Debüt an der Opéra de Marseille gab, mit Lalos «Le Roi d’Ys». Ein König wurde Georges Prêtre dann selbst, doch nicht als Komponist, wie ursprünglich erträumt, sondern als Dirigent. Von Marseille führte ihn der Weg an die Pariser...
Die Frau, wir kennen sie. Stella, der Stern. Hoffmanns Idealgeliebte. Real erscheint sie nicht, nur als Phantasmagorie, als flammende Erinnerung des Dichters. Nach ihr sucht er, aber sucht er nicht vielmehr nach sich selbst? Es ist beides. Mit der Erzählung will er ihr nahekommen. Sie zurückerobern aus den Fängen der Gesellschaft, die sie unter ihrem Applaus...
