Im Gewächshaus
Peter Eötvös greift für seine Opernstoffe gern ins oberste Regal. Unter einem «Welttheater» tut der ungarische Komponist es kaum. Und wenn er dieses – wie in seinem Stück «Der Goldene Drache» – in einen heutigen Asia-Imbiss verlegt und das Geschehen mit kammermusikalischer Delikatesse unterlegt, geht der Plan, das große Ganze im Kleinen abzubilden, auch wunderbar auf.
Mit dem Rückgriff auf die Genesis aber holt Eötvös weiter aus und hat sich mit «Paradise Reloaded» nach der «Tragödie des Teufels» von 2010 zum zweiten Mal an der Schöpfungsgeschichte abgearbeitet.
Die Erzählung von Adam und Eva, Gott und Teufel und der Versuchung ist freilich ergiebig. Bereits in «Tragödie» taucht eine Lucy auf, die sich als Lilith, die erste Frau Adams, entpuppt. Dieser Figur gibt der Komponist in «Paradise Reloaded (Lilith)» mehr Raum. Es habe ihn, so Eötvös, interessiert, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt hätte, wenn neben Eva auch Lilith die Rolle der Urmutter zugefallen wäre.
Zweifellos ist die Frage interessant, was es für die Menschheit bedeutet hätte, wenn nicht die aus Adams Rippe geformte, unterwürfige Eva, sondern die wie jener aus Lehm geschaffene, eigenständige Lilith das ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Regine Müller
arte
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