Im Gewächshaus
Peter Eötvös greift für seine Opernstoffe gern ins oberste Regal. Unter einem «Welttheater» tut der ungarische Komponist es kaum. Und wenn er dieses – wie in seinem Stück «Der Goldene Drache» – in einen heutigen Asia-Imbiss verlegt und das Geschehen mit kammermusikalischer Delikatesse unterlegt, geht der Plan, das große Ganze im Kleinen abzubilden, auch wunderbar auf.
Mit dem Rückgriff auf die Genesis aber holt Eötvös weiter aus und hat sich mit «Paradise Reloaded» nach der «Tragödie des Teufels» von 2010 zum zweiten Mal an der Schöpfungsgeschichte abgearbeitet.
Die Erzählung von Adam und Eva, Gott und Teufel und der Versuchung ist freilich ergiebig. Bereits in «Tragödie» taucht eine Lucy auf, die sich als Lilith, die erste Frau Adams, entpuppt. Dieser Figur gibt der Komponist in «Paradise Reloaded (Lilith)» mehr Raum. Es habe ihn, so Eötvös, interessiert, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt hätte, wenn neben Eva auch Lilith die Rolle der Urmutter zugefallen wäre.
Zweifellos ist die Frage interessant, was es für die Menschheit bedeutet hätte, wenn nicht die aus Adams Rippe geformte, unterwürfige Eva, sondern die wie jener aus Lehm geschaffene, eigenständige Lilith das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Regine Müller
Das dreiaktige Dramma per musica «Amare e fingere» – zu Deutsch: Lieben und Täuschen – kann man als lockeres Remake des spanischen Dramas «Fingir y amar» des zu seiner Zeit überaus beliebten italienischstämmigen Autors Augustín Moreto (1618–1669) bezeichnen. Wer die musikalische Adaption des Stücks einst autorisierte, ist umstritten; weder Libretto noch Partitur –...
Der König und seine Entourage waren not amused. Hatte Philippe Quinault im Textbuch für «Isis», die sechste tragédie en musique des Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully, nicht – kaum verhüllt – das Liebesleben des «Roi Soleil» porträtiert? Wer mit den Usancen des französischen Regenten halbwegs vertraut war, erkannte sofort frappierende Parallelen zwischen Juno, der...
JUBILARE
Robert Lloyd nahm bei dem Bariton Otakar Kraus Unterricht. Er debütierte 1969 im damaligen Collegiate, dem heutigem Bloomsbury Theatre des University College London, als Don Fernando in Beethovens «Leonore», der Urfassung des «Fidelio». Von 1969-72 war er Solist an der Sadler’s Wells Opera Company (der heutigen English National Opera), anschließend...
