Im Gewächshaus
Peter Eötvös greift für seine Opernstoffe gern ins oberste Regal. Unter einem «Welttheater» tut der ungarische Komponist es kaum. Und wenn er dieses – wie in seinem Stück «Der Goldene Drache» – in einen heutigen Asia-Imbiss verlegt und das Geschehen mit kammermusikalischer Delikatesse unterlegt, geht der Plan, das große Ganze im Kleinen abzubilden, auch wunderbar auf.
Mit dem Rückgriff auf die Genesis aber holt Eötvös weiter aus und hat sich mit «Paradise Reloaded» nach der «Tragödie des Teufels» von 2010 zum zweiten Mal an der Schöpfungsgeschichte abgearbeitet.
Die Erzählung von Adam und Eva, Gott und Teufel und der Versuchung ist freilich ergiebig. Bereits in «Tragödie» taucht eine Lucy auf, die sich als Lilith, die erste Frau Adams, entpuppt. Dieser Figur gibt der Komponist in «Paradise Reloaded (Lilith)» mehr Raum. Es habe ihn, so Eötvös, interessiert, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt hätte, wenn neben Eva auch Lilith die Rolle der Urmutter zugefallen wäre.
Zweifellos ist die Frage interessant, was es für die Menschheit bedeutet hätte, wenn nicht die aus Adams Rippe geformte, unterwürfige Eva, sondern die wie jener aus Lehm geschaffene, eigenständige Lilith das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Regine Müller
Die Sache wird wohl nie zu klären sein: Hatte Beethoven eine Tochter mit seiner «unsterblichen Geliebten», der Gräfin Josephine Brunsvik? Das vermutet zum Beispiel der Musikhistoriker Harry Goldschmidt. Auf dessen Indizien und eigene Recherchen in estnischen Archiven stützt sich Jüri Reinvere, wenn er in seiner dritten Oper eben jene Minona ins Rampenlicht rückt,...
Dietrich W. Hilsdorfs Debüt am Essener Aalto-Theater – die zweite Produktion überhaupt am frisch eröffneten Haus und der Beginn einer intensiven Arbeitsbeziehung – war vor vielen Jahren eine zuerst skandalisierte, aber rasch zum Kultstatus avancierte Inszenierung von Verdis «Don Carlo». Nach längerer Abwesenheit ist Hilsdorf nun triumphal nach Essen zurückgekehrt:...
Das dreiaktige Dramma per musica «Amare e fingere» – zu Deutsch: Lieben und Täuschen – kann man als lockeres Remake des spanischen Dramas «Fingir y amar» des zu seiner Zeit überaus beliebten italienischstämmigen Autors Augustín Moreto (1618–1669) bezeichnen. Wer die musikalische Adaption des Stücks einst autorisierte, ist umstritten; weder Libretto noch Partitur –...
