Im Focus der Ausgabe Februar 2011

Franz Lehárs neureiche «Lustige Witwe» fegt meist als fesch-selbstbewusste Landpomeranze über die Bühne, die höchst unterhaltsam heiratswillige Männer abblitzen lässt. Wenn ein Regisseur wie Christof Loy dem fidelen Operetten-Personal auf die Finger schaut, schießt die Sache freilich über reine Gaudi hinaus – auch weil er darauf achtet, dass die Sängerinnen und Sänger wirklich in ihren Rollen aufgehen. So hat er in Genf Beziehungen entdeckt, die sich nicht immer auf den ersten Blick erschließen.



Schwärmerische Fantasie kennzeichnet Kaspar Holtens Inszenierung von Korngolds «Die tote Stadt» an der Finnischen Nationaloper in Helsinki. Eros und Thanatos, metaphysische Liebe, die Halluzinationen des um die verstorbene Angebetete trauernden Anti-Helden – all das wogt durch ein Mausoleum, in das GMD Mikko Franck fiebernde Klänge aus dem Graben schickt.

Während die Regierung Berlusconi unbeirrt an dem Ziel festhält, Italien als Kulturnation zu begraben, spinnen Daniel Barenboim und Guy Cassiers an der Scala mit der «Walküre» ihr für Berlin und Mailand konzipiertes «Ring»-Projekt fort. Perfekt dosierter Wahnsinn an der Vlaamse Opera in Antwerpen, wo der 83-jährige Rossini-Altmeister Alberto ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Es kocht im Orchester


Zweimal Giuseppe Verdis «Masnadieri» im Abstand von nur rund zehn Monaten. Das bedeutet nicht nur, einer selten gespielten Schiller-Oper näher zu kommen. Gäbe es die Klassifikation – es erhellte auch, wie gering das Gefälle zwischen einem Team aus der Champions League (Zürich) und einem aus der Zweiten Bundesliga (Karlsruhe) ist. Und ganz nebenbei auch, ein wie...

Liebestraumtänzer, Intrigenspinner, Hoffnungssucher

Diese Aufführung ist schnell und leichtfertig abgekanzelt worden. Das hat sie nicht verdient. Freilich: Man muss Gelassenheit mitbringen und etwas Geduld, um ihre Dezenz zu entdecken und ihre Genauigkeit, die sich nicht aufdrängt. Mit knallbuntem Operettenleben hat sie nichts zu tun. Mit Dekonstruktion aber auch nicht. Deshalb könnte man sie bei flüchtiger...

Stimmungen, Verstimmungen

Ein Opernhaus ist ein Organismus eigener Art. Es kann sein, dass Hunderte von Menschen an einer Neuproduktion mitwirken. Ihre Berufe sind denkbar verschieden: vom Maler bis zum Paukisten, vom Schuster zum Beleuchter, vom Korrepetitor zur Probendisponentin. Laut Tarifvertrag sind sie unterteilt in «künstlerisches» und «nichtkünstlerisches» Personal. Das kann zu...