Im ewigen Eis
Der erste «Walküre»-Akt kommt einem «Kommando zurück!» gleich. Richard Wagners liebende Geschwister hatte «Rheingold»-Regisseur David Hermann in seinem Blick voraus verzückt übereinander herfallen lassen (siehe OW 9-10/2016). Nun strafte «Walküren»-Regisseur Yuval Sharon die Zukunftsvision seines Kollegen Lügen. Zurückhaltender ward die Liebesszene selten dargeboten. Diskretion wird groß geschrieben.
Im Karlsruher «Ring» der vier Regisseure lässt der vielgepriesene Kalifornier es häufig mit der Andeutung genug sein, Requisiten gibt’s auch so gut wie nicht – schon gar kein Trinkhorn für den halb verdursteten Siegmund. Sebastian Hannaks Bühne will denn auch von Hundings Hütte nichts wissen. Er installiert parallel zur Rampe eine Art Flur, hinter dessen Wand die Esche ein Schattendasein fristet, und ihre Schatten sehen auch die getrennt postierten Liebenden einander zustreben. Die Wand hat wiederum Türen und Luken. Dort erscheinen mal der Solocellist, mal drei Holzbläser des Orchesters bei ihrem kammermusikalischen Tun. Auch der Weltenwanderer Wotan taucht hier auf, als Sieglinde ihrem Geliebten schildert, wie der Gott sein Schwert «in der Esche Stamm» trieb. Und der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Von Giovanni Paisiellos fast einhundert Opern hat nur die Buffa «Il barbiere di Siviglia» auf einem Nischenplatz überlebt. Catania hat im Januar 2016 die späte, 1788 für Neapel geschriebene Seria «Fedra» ausgegraben. Ein Mitschnitt ist bei dem auf Raritäten spezialisierten italienischen Label Dynamic erschienen. Es handelt sich aber keinesfalls, wie das...
Man kann sie kaum noch zählen, die kompletten Aufführungen von Wagners «Ring des Nibelungen», die in den letzten Jahren als Mitschnitte auf CD oder DVD erschienen sind. Wien, Hamburg, Frankfurt, Weimar, Lübeck, Kopenhagen, Amsterdam, Seattle usw. Und jetzt also auch noch Hongkong. Dort hat man vor zwei Jahren einen konzertanten Zyklus gestartet, der nun bis...
In einem Interview mit dem Berliner «Tagesspiegel» hat Barrie Kosky bereits 2013, kurz nach seinem Amtsantritt als Intendant der Komischen Oper, den Dreisatz verraten, mit dem er die in Deutschland so schlecht beleumundete Operette zu neuem Leben erwecken will: «Du musst den Stil lieben, du musst die Stücke mit Stars besetzen, und du musst dich darauf ...
