Ich hab' im Traum geweinet
Die Tonart verheißt wenig Gutes. G-Moll, das kündet (im wahrsten Sinne des Wortes) von Trübsal und Tristesse. Und so verzagt, wie Malcolm Martineau die Melodietöne des viertaktigen Vorspiels auf die Tasten tupft, gewinnt man schon einen nachhaltigen Eindruck von dem, was der Dichter wenig später beklagen wird: «Hör’ ich ein Liedchen klingen, / das einst die Liebste sang, so will mir die Brust zerspringen / von wildem Schmerzensdrang.
» Aus und vorbei ist es mit jeder Hoffnung, die Auserwählte würde sich vielleicht doch noch besinnen und die Anbetungen erhören; dem Verseschmied jedoch bleibt nichts als ein «übergroßes Weh’».
Florian Boesch formt diese Verse mit einer wohltuenden Behutsamkeit, die mehr als deutlich macht, wie tief dieser Schmerz sitzt, wie ermattet die Seele seines Alter Egos ist, wie resigniert der ganze Mensch, der hier auf die imaginäre Bühne tritt. Aber nicht erst in diesem zehnten Lied der «Dichterliebe», welches den Moment der unwiderruflichen Peripetie beschreibt und mit den erst piano, dann pianissimo zu Boden tropfenden Tränen des Klavier-Nachspiels den Umschlag in die Katastrophe nochmals unterstreicht und beglaubigt, spürt man die tiefliegende Traurigkeit; ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 36
von Jan Verheyen
Freunde wurden sie nie. Dafür waren sie zu unterschiedlich, sowohl was ihre persönlichen wie ästhetischen Vorlieben und ihre Weltanschauung, als auch was ihr Naturell betraf. Sichtbar wird diese Differenz nicht nur auf den Gemälden, die Oskar Kokoschka von ihnen anfertigte, sondern sogar anhand der Totenmasken, die den einen, Kraus, als friedlich-sanft...
Schon Hermann Bahr wusste es: «Was zieht im Theater? Was den Frauen gefällt. Was gefällt den Frauen? Was von ihrer Sache handelt. Was ist ihre Sache? Was sie Liebe nennen.» Zwar galt die ätzende Bemerkung des Schriftstellers und Kritikers der Komödie «Candida» von George Bernard Shaw, doch darf man sie durchaus auch auf die Operette beziehen, als aphoristisches...
Es ist keine Schande, den Namen von Rita Strohl noch nie gehört zu haben. Auch einschlägige Lexika kennen ihn nicht – ein Schicksal, das Debussys Zeitgenossin mit vielen Komponistinnen teilt. Wie ihr berühmter Landsmann stand Strohl im Bann des Symbolismus und damit fest in der französischen Tradition, war zugleich aber eine glühende Anhängerin Wagners. Sie begann...
