«Ich bin zuerst und vor allem Komponist»

Die «Uraufführung des Jahres» behandelt einen uralten Stoff. Für «Orest», Ende 2011 in Amsterdam auf die Bühne gebracht, hat Manfred Trojahn nicht nur die Musik, sondern auch das Libretto geschrieben. Als Quellen benutzte er Euripides’ «Orestie» und Teile von Nietzsches «Dionysos-Dithyramben». Dabei ist für den Düsseldorfer Komponisten der Klang das Wichtigste. Dass, zumal im zeitgenössischen Musiktheater, das Sehen oft wichtiger genommen wird als das Hören, will Trojahn nicht akzeptieren. Ein Anwalt musikalischer Schönheit, der die traditionelle Literaturoper fortschreibt? Derlei Etikettierungen amüsieren den 62-Jährigen. Aber sie ärgern ihn auch. Was heißt überhaupt Tradi­tion? Was ist heute noch neu? Ein Gesprächsporträt.

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Manfred Trojahn ist auf dem Sprung in die Bretagne, mit Zwischenstopp in Paris, wo er eine Wohnung hat. Er empfängt im großzügigen Salon. Seine Komponierklause ist gleich nebenan, und er versteht sie keineswegs als geweihten Ort oder Sperrgebiet für Neugierige. Es ist einfach bequemer so. Er wirkt auch nicht wie ein Asket, der sich der eisernen Disziplin eines Thomas-Mann’schen Arbeitstags unterwirft. Mit der Auszeichnung der «Opernwelt» fühlt er sich «natürlich gebauchpinselt».

Dennoch ist seine Haltung zum Betrieb, der ihn für seinen Amsterdamer «Orest» feiert, abgeklärt, ja distanziert. Er beklagt sich, dass es fast immer nur um die Szene gehe, wenn über die Zukunft der Gattung Oper gesprochen wird, als läge das innovative Potenzial einzig und allein dort. Über die Musik höre man fast nichts, als entwickle sich auf diesem Gebiet nichts mehr weiter. «Ich bin erstaunt, dass alle Innovation im bildnerischen Bereich gesucht wird. Das degradiert die Musik zur bloßen Zugabe.» Trojahn stellt die Bedeutung der Szene, der Dramaturgie einer Erzählung oder Geschichte nicht in Abrede, ist aber überzeugt, dass letzten Endes Musiktheater von der Musik her gedacht werden muss: «Ich bin zuerst ...

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Opernwelt Jahrbuch 2012
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 20
von Regine Müller

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