«Ich bin zuerst und vor allem Komponist»
Manfred Trojahn ist auf dem Sprung in die Bretagne, mit Zwischenstopp in Paris, wo er eine Wohnung hat. Er empfängt im großzügigen Salon. Seine Komponierklause ist gleich nebenan, und er versteht sie keineswegs als geweihten Ort oder Sperrgebiet für Neugierige. Es ist einfach bequemer so. Er wirkt auch nicht wie ein Asket, der sich der eisernen Disziplin eines Thomas-Mann’schen Arbeitstags unterwirft. Mit der Auszeichnung der «Opernwelt» fühlt er sich «natürlich gebauchpinselt».
Dennoch ist seine Haltung zum Betrieb, der ihn für seinen Amsterdamer «Orest» feiert, abgeklärt, ja distanziert. Er beklagt sich, dass es fast immer nur um die Szene gehe, wenn über die Zukunft der Gattung Oper gesprochen wird, als läge das innovative Potenzial einzig und allein dort. Über die Musik höre man fast nichts, als entwickle sich auf diesem Gebiet nichts mehr weiter. «Ich bin erstaunt, dass alle Innovation im bildnerischen Bereich gesucht wird. Das degradiert die Musik zur bloßen Zugabe.» Trojahn stellt die Bedeutung der Szene, der Dramaturgie einer Erzählung oder Geschichte nicht in Abrede, ist aber überzeugt, dass letzten Endes Musiktheater von der Musik her gedacht werden muss: «Ich bin zuerst ...
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Opernwelt Jahrbuch 2012
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 20
von Regine Müller
Das gab es noch nie bei der Kritiker-Umfrage dieser Zeitschrift: Das Opernhaus des Jahres ist zugleich auch Ärgernis des Jahres. Wie das? Bei näherer Betrachtung eigentlich ein völlig klares Votum. Doch der Reihe nach. Es ist noch gar nicht so lange her, da dümpelte die einst renommierte Kölner Oper wie ein rostiger Tanker vor sich hin. Der kommunale Eigentümer...
Unsere Erinnerungen, die am tiefsten uns eingeprägten nicht ausgenommen, sind an sich unbewusst…Was wir unseren Charakter nennen, beruht ja auf den Erinnerungsspuren unserer Eindrücke, und zwar sind gerade die Eindrücke, die am stärksten auf uns gewirkt haben, die unserer ersten Jugend, solche, die fast nie bewusst werden.»
Dieses Sigmund-Freud-Zitat, Michael...
Der 19. April 1836 war ein besonderer Tag für das kaiserlichkönigliche Knabenkonvikt in Mailand. In dem vom Adel bevorzugten der beiden humanistischen Gymnasien der Stadt wurde der Geburtstag des Wiener Kaisers mit großer Musik gefeiert. Graf Renato Borromeo hatte eigens eine Festkantate gedichtet. «Questo di gioia è dì» – «Dies ist ein Freudentag; er schenkte dem...
