«Ich bin kein Meister»
Sir Thomas, Ihre Stimme strahlte stets eine enorme Männlichkeit aus – ohne einen Anflug von Machismo. Eine Frage des Stils?
Eine Absicht steckte nicht dahinter, es war einfach so. Mir wurde schon vor langer Zeit über meine Stimme offen ins Gesicht gesagt: «A baritone with balls ...» Dürfen Sie das überhaupt schreiben? Ich habe das nicht beeinflusst. Für mich war es auch nichts Ungewöhnliches. Als ich jung war, bewunderte ich den Bariton Peter Glossop. Der sang aus voller Kehle und sehr maskulin – und er war nicht der Einzige. Es war beinahe eine Mode damals.
An wen denken Sie denn?
An Cornell MacNeil, Leonard Warren und John Charles Thomas, die alle Stimmen von sehr kräftiger, kerniger Qualität hatten. Oder erinnern Sie sich an Francesco Tamagno als Otello! Bei der Beerdigung von Peter Glossop habe ich übrigens gesungen. Mit anderen Worten: Die Verbindung ist vielleicht nicht ganz zufällig.
Es handelte sich bei Ihnen nicht so sehr um Stimmerotik – so wie bei Cesare Siepi – als um vokale Virilität. Ein wichtiger Unterschied?
Ein sehr wichtiger Unterschied! Ich bin als Sportler aufgewachsen, und der körperliche Aspekt des Singens war mir entsprechend bewusst. Vielleicht ist es das, was ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Interview, Seite 32
von Kai Luehrs-Kaiser
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