Hohles Pathos
Die neue Oper von Marco Tutino schöpft aus beachtlichen Quellen: Alberto Moravias Roman und dessen 1960 erschienener Verfilmung in der Regie von Vittorio de Sica. In den kriegszerrütteten Jahren 1943-1945 kehrt Cesira (Sophia Loren) mit ihrer Tochter Rosetta aus Rom zurück in ihr Heimatdorf im ländlichen Italien. Sie werden verfolgt von Nazis und Faschisten, von den Amerikanern ausgebombt und schließlich von Soldaten der französisch-marokkanischen Truppen vergewaltigt.
Der Spannungsbogen der Oper indes wirkt trotz der hochkarätigen Vorlagen flach.
Dabei belebt Regisseurin Francesca Zambello, unterstützt durch Projektionen aus Wochenschauen (Video: S. Katy Tucker), die Szene mit der für sie charakteristischen Detailfülle, zumal im ersten Akt: Eine ähnlich wuselige Kinderschar hat man nicht einmal in dem Musical «Oliver» auf der Bühne herumturnen sehen. Die zweite Hälfte hatte etwas mehr Zug, wenngleich das Ganze einer von Menottis effekthascherischen «Broadway-Opern» inspirierten Singspielmanier frönt.
Einige Kritiker wollten viel Mascagni und Puccini herausgehört haben. Gewiss, Fetzen von «Tosca», «Il tabarro», «Suor Angelica» und «Turandot» klangen durch, doch hat sich Tutino auch ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 48
von David Shengold
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