Hm!
Als das Opernhaus Zürich – lang ist’s her – noch Stadttheater hieß, wurde dort auch die «Silberne Operette» gehegt. Mancher kennt heute noch den Namen des Haustenors, der unbeschreiblich populär gewesen sein muss. Er hieß (oder nannte sich) Max Lichtegg und war Pole. Vielleicht erinnern sich die ganz alten Herrschaften jetzt an ihn. Denn sein polnischer Nachfahre Piotr Beczala, dessen Weltkarriere (wie die von Jonas Kaufmann) vom Haus am Zürichsee ausging, kehrte auf Zeit heim und sang den Prinzen Sou-Chong in Franz Lehárs «Land des Lächelns».
Er wird vom Tenorverwertungsgewerbe ja gern als Richard Tauber Nr. 2 gehandelt, obwohl es, wenn ein Vergleich überhaupt am Platze ist, auf einen dritten Polen hinausläuft, auf Jan Kiepura. Inzwischen ein Fünfziger, hat Beczala seine baritonale Grundausstattung spürbar ausgebaut; in der Höhe beschreibt er mit seinem virilen, wo nötig auch stählernen Strahl die weit ausgreifenden vokalen Bögen Lehárs.
Auch was seine Partner angeht, lassen die Zürcher sich nicht lumpen. Das aristrokratische Wiener Prachtmädel Lisa, das dem Exoten aus dem Fernen Osten in dessen Heimat folgt und dort nach einem regelrechten clash of civilizations Reißaus nimmt, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Den Himmel auf Erden leisteten sich nicht nur Ludwig XIV. in Versailles oder Maria Theresia in Schönbrunn. Auch Preußens Könige bauten sich ihr Arkadien mit Palästen und Parks. Ein bisschen bescheidener mutet zwar an, was Friedrich II. auf den luftigen Namen «Sanssouci» taufte, doch die weitläufige Anlage vor den Toren (Alt-)Potsdams bietet wohl die schönste aus...
Mit dem Eismeer ist es nichts mehr. Brünnhilde wacht im Karlsruher «Siegfried» nicht dort auf, wo sie 20 Bühnenjahre zuvor, am Ende der «Walküre», eingeschläfert wurde. Wagners «Ring des Nibelungen» ist das Mittelding aus Duschkabine und Kühlbox, worin das kühne Wotanskind vom Vater zurückgelassen wurde, abhanden gekommen, der Teil, in dem Yuval Sharon und...
René Jacobs gehört seit Jahrzehnten zu den Dirigenten, die mit ihren Interpretationen im Repertoire zwischen Monteverdi und Mozart neue Maßstäbe setzen. Darüber ist fast in Vergessenheit geraten, dass Jacobs einer der führenden Countertenöre Europas war. Über viele Jahre hat er parallel gesungen und dirigiert. Erst 1997 beendete er seine Sängerkarriere, um sich...
