Hinfort mit ihm in die Hölle!
Seit der gute Goethe aus dem historisch verbürgten Scharlatan Johann Faustus eine vom Erkenntnisdrang getriebene und zu allerlei Verfehlungen neigende Figur des Theaters geformt hat, ist sein «Faust» aus der europäischen Kulturgeschichte im Grunde kaum mehr wegzudenken. Mannigfaltig sind die Zeugnisse dieser Auseinandersetzung in Philo -sophie, Literatur – und natürlich ebenso in der Musik. Dabei haben die einen sich für das Ideendrama interessiert, die anderen mehr auf die zwischenmenschliche Tragödie abgehoben.
Im Grunde genommen sei der «Faust» die Liebesgeschichte eines Intellektuellen mit einer Kleinbürgerin, soll Bertolt Brecht einmal spitzzüngig bemerkt haben.
Erstaunlich ist, dass die Faszinationskraft des Faust-Stoffes bereits früh über Sprachgrenzen hinausreichte. Hector Berlioz, schon im Kindes -alter ein begieriger Leser nicht nur französischer Literatur, kam 24-jährig durch eine Übersetzung mit «Der Tragödie Erster Teil» in Berührung. Kurz darauf komponierte er (als sein Opus 1) die «Huit Scènes de Faust», aus denen dann fast zwei Jahrzehnte später «La Damnation de Faust» erwachsen sollte. Als Légende dramatique taufte Berlioz seine Schöpfung und dachte zunächst nur ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Werner Kopfmüller
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