Himmelwärts

Bregenzer Mischung 2009: Verdis «Aida» auf der Seebühne, Szymanowskis «König Roger» im Festspielhaus

Nun öffne sich der Himmel, und ihrem Sehnen erstrahle das Licht der Ewigkeit», schwärmt Hans Castorp, als er einer Grammophonplatte mit dem Finalduett aus Verdis «Aida» lauscht.

Was Thomas Mann seinem «Zauberberg»-Lehrling vor 85 Jahren in den Mund legte, hat der britische Regie-Routinier Graham Vick auf der Bregenzer Seebühne nun wörtlich ins Bild gesetzt: In einer Holzbarke gleiten Aida und Radames am Ende ihrer unmöglichen Love Story über das Wasser, um schließlich, von einem Baukran in schwindelnde Höhen gezogen, samt Boot in die schwarze Nacht über dem Bodensee zu entschweben: «O terra, addio». Und Carlo Rizzi schwört dabei die aus dem Festspielhaus live zugeschalteten Wiener Symphoniker so wunderbar auf jene pianissimo verhauchende Ges-Dur-Intimität ein, die den Weltabschied des sterbenden Paares begleitet, dass zwischen den azurblau gepinselten, bronzesternflammenden Monumentalkulissen von Paul Brown ein wahrhaft poetischer Moment entsteht – ein Moment des staunenden Innehaltens, des sentimentalen Mitgefühls, das rund 7000 Premierengäste still verharren lässt, bis der allerletzte Ton verhallt und die Himmelfahrt ins Ziel gekommen ist.
Verdis quotenträchtiges Ägypten-Drama, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Festspiele, Seite 18
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wer suchet, der findet

Frieder Bernius ist immer für eine Überraschung gut. Vor Kurzem erst holte er Schuberts unbekannte Oper «Sakontala» ans Licht, nicht lange danach legte er mit der Uraufführung von Justin Heinrich Knechts «Die Aeolsharfe» nach, die vor genau 200 Jahren in Stuttgart entstanden und seither im Archiv verstaubt war. Auch diese Ausgrabung liegt nun beim Label Carus auf...

Wahnsinn

Als Catherine Malfitano noch selbst auf der Bühne stand, spielte Donizettis «Lucia di Lammermoor» in ihrem Repertoire so gut wie keine Rolle. «Ich habe die Lucia lediglich in zwei Produktionen gesungen, ganz am Anfang meiner Karriere», erzählt die Sopranistin. Nun hat sie das Schauerstück an der Central City Opera in Colorado in Szene gesetzt. «Die Sicht vom...

„Die Musik durchschreiten”

 

 

"Es ist für mich das Größte, die Musik von Bach zu spielen, an ihr zu arbeiten! Diese Musik zu durchschreiten, egal ob am Instrument oder Radio, gibt mir jedes Mal Kraft und Ruhe." Der Geiger Frank Peter Zimmermann (Foto) zählt - fern von Kommerz und Medienrummel - zu den Größten seiner Generation. In Film von Benedict Mirow und Dorothee Binding gewährt er...