Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt

Peter Konwitschny und Petr Popelka schärfen Schostakowitschs «Nase» in Dresden

Herr Kowaljow kommt in den Himmel. Schön und gut. Aber wie kommt Herr Kowaljow in den Himmel? Im Stück steht darüber nichts, da bleibt der bedauernswerte Beamte Platon Kusmitsch die ganze Zeit auf Erden, hilf- und ratlos seinen Qualen ausgesetzt; ein Mensch, der keine Nase mehr hat und darüber so unglücklich ist, dass sein Leben vom einen auf den anderen Tag ins Chaos abrutscht. Unglücklich, das ist er auch in der Semperoper Dresden, die Ausstatter Helmut Brade für diesen zweiten Teil in eine kitschigkindliche, blauweiße Idylle verwandelt hat.

Aber anders: komischer, grotesker, absurder. Und das liegt vor allem an den hochrangig-edelmütigen Herren, die Kowaljow, und das buchstäblich, über den Wolken begegnen und die es in den irdischen Niederungen nicht gibt. 

Peter Konwitschny war um abwegige Ideen nie verlegen. Auch für Dmitri Schostakowitschs Oper «Die Nase», die auf einer Erzählung von Nikolai Gogol basiert, findet er eine freche, apart-gewitzte, zudem dramaturgisch plausible Lösung: Kowaljow, durch die Widrigkeiten des Lebens aus dem Gleichgewicht geraten, nimmt sich am Ende des ersten Teils mit einer Pistole das Leben. Er kann und er will auch nicht mehr. Denn da ist kein ...

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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Jürgen Otten

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