Himmel und Hölle

Uwe Schweikert über Adriana Hölszkys «Hybris/Niobe» und Agostino Steffanis «Niobe, Regina di Tebe» in Schwetzingen

Opernwelt - Logo

Niobe will alles – Macht, Liebe, Unsterblichkeit – und fordert den Himmel he­raus. Aber die Götter rächen ihre Hybris, und sie verliert alles: ihre Kinder, den Gatten Anfione, zuletzt das eigene Leben. Versteinerung ist der Preis, den sie für ihren Hochmut bezahlen muss.

Maßlos wie die Gestalt der antiken Mythenfigur war auch der Schwetzinger Theater­abend, der zwei grundverschiedene Gestaltungen des in Ovids «Metamorphosen» überlieferten Stoffes zu einem faszinierenden Bühnenereignis koppelte: Agos­tino Steffanis 1688 für München komponiertes dramma per musica «Niobe, regina di Tebe» und die Urauffüh­rung von Adriana Hölszkys Drama für Stimmen «Hybris/Niobe». Während das barocke Welttheater Steffanis und seines Librettisten Luigi Orlandi ins Weite strebt und die individuelle Tragödie Niobes durch zusätzliche Konfliktfelder und Figuren anreichert, steuert Hölszky in ihrer radikalen Umsetzung desselben, von Yona Kim einerseits fragmentierten, andererseits durch chorische Textpassagen aus Lenz’ Gedicht «Die Landplagen» angereicherten Librettos von vornherein auf die Katastrophe zu.
Hölszkys knapp halbstündige Laut- und Sprachkomposition taucht den meist bis zur Unverständlichkeit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Belcanto-Trouvaillen

Aus Anlass seines zwanzigjährigen Jubil­ä­ums legt das Turiner Raritäten-Label Nuova Era eine Reihe seiner Aufnahmen zum güns­tigen Sonderpreis neu auf. Gespart wird am Booklet, das das Libretto nur noch in der Originalsprache enthält. Eine Empfehlung aber ist Bellinis «Bianca e Fernando» (1828) wert. Dies nicht nur, weil es sich um die zweite Oper eines...

Sári: Der Hutmacher

Es war 1968, da las Thomas Bernhard seine Erzählung «Der Hutmacher» im Deutschlandfunk. Als der ungarische Komponist József Sári den 2003 im Münchner Hörverlag erschienenen Mitschnitt hörte, war er von dessen Musikalität so fasziniert, dass er den Stoff dem Regensburger Intendanten Ernö Weil vorschlug, der ein Sujet für eine Auftragskomposition suchte. Franz Csiky...

Wagner: Die Walküre

«Ringe» allerorten. Wenn einer darunter sich apolitisch gibt, dann der an der Opéra national du Rhin. David McVicars Wagner-Deutung überführt die Mythologie im Ambiente von Rae Smiths schrundigen Wänden samt urig-knorriger Esche und metallschicken Designer-Bergeshöhen in eine zeitlose Auslegung der menschlichen Tragödie. Auf den ers­ten Blick fällt «Die Walküre»...