Himmel und Hölle
Niobe will alles – Macht, Liebe, Unsterblichkeit – und fordert den Himmel heraus. Aber die Götter rächen ihre Hybris, und sie verliert alles: ihre Kinder, den Gatten Anfione, zuletzt das eigene Leben. Versteinerung ist der Preis, den sie für ihren Hochmut bezahlen muss.
Maßlos wie die Gestalt der antiken Mythenfigur war auch der Schwetzinger Theaterabend, der zwei grundverschiedene Gestaltungen des in Ovids «Metamorphosen» überlieferten Stoffes zu einem faszinierenden Bühnenereignis koppelte: Agostino Steffanis 1688 für München komponiertes dramma per musica «Niobe, regina di Tebe» und die Uraufführung von Adriana Hölszkys Drama für Stimmen «Hybris/Niobe». Während das barocke Welttheater Steffanis und seines Librettisten Luigi Orlandi ins Weite strebt und die individuelle Tragödie Niobes durch zusätzliche Konfliktfelder und Figuren anreichert, steuert Hölszky in ihrer radikalen Umsetzung desselben, von Yona Kim einerseits fragmentierten, andererseits durch chorische Textpassagen aus Lenz’ Gedicht «Die Landplagen» angereicherten Librettos von vornherein auf die Katastrophe zu.
Hölszkys knapp halbstündige Laut- und Sprachkomposition taucht den meist bis zur Unverständlichkeit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Aus Anlass seines zwanzigjährigen Jubiläums legt das Turiner Raritäten-Label Nuova Era eine Reihe seiner Aufnahmen zum günstigen Sonderpreis neu auf. Gespart wird am Booklet, das das Libretto nur noch in der Originalsprache enthält. Eine Empfehlung aber ist Bellinis «Bianca e Fernando» (1828) wert. Dies nicht nur, weil es sich um die zweite Oper eines...
Es war 1968, da las Thomas Bernhard seine Erzählung «Der Hutmacher» im Deutschlandfunk. Als der ungarische Komponist József Sári den 2003 im Münchner Hörverlag erschienenen Mitschnitt hörte, war er von dessen Musikalität so fasziniert, dass er den Stoff dem Regensburger Intendanten Ernö Weil vorschlug, der ein Sujet für eine Auftragskomposition suchte. Franz Csiky...
«Ringe» allerorten. Wenn einer darunter sich apolitisch gibt, dann der an der Opéra national du Rhin. David McVicars Wagner-Deutung überführt die Mythologie im Ambiente von Rae Smiths schrundigen Wänden samt urig-knorriger Esche und metallschicken Designer-Bergeshöhen in eine zeitlose Auslegung der menschlichen Tragödie. Auf den ersten Blick fällt «Die Walküre»...
