Heikle Groteske

Rimsky-Korsakows «Goldener Hahn» unter Valery Gergiev und in einer historischen Aufnahme aus der Sowjetzeit

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In seiner letzten Oper «Der goldene Hahn» erzählt Nikolai Rimsky-Korsakow, frei nach Alexander Puschkins gleichnamigem Versmärchen, eine «unglaubliche Geschichte» (so der Untertitel): Ein Intellektueller, ein Machthaber und eine freie Frau treffen aufeinander. Der Astrologe benutzt den Zaren Dodon, um in den Besitz der Zariza von Schemachan, einer Orientalin, zu gelangen. Doch das Naturwesen lässt sich weder vom altersschwachen Herrscher noch von dem beschränkten, mit einer Kastratenstimme singenden Wissenschaftler einfangen.

Am Ende – nachdem erst der Zar den Astrologen, dann der Hahn den Zaren getötet hat und das Volk ratlos zurückbleibt – verschwindet die Zariza: lachend. Rimsky-Korsakow hat die Perversion der marionettenhaften Zarenherrschaft mit dem karikaturistischen Pomp hohler Märsche, die Faszination der exotischen Zariza mit farbiger Chromatik und glitzernden Koloraturkaskaden eingefangen.

Von der politischen Satire mit ihrer parodistischen Drastik ist in Anna Matisons Inszenierung, die 2014 am Sankt Petersburger Mariinsky-Theater Premiere hatte, nicht viel übrig geblieben. Sie reduziert das rätselhafte, dennoch unmissverständliche Stück auf ein poppig-buntes ...

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Opernwelt August 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Uwe Schweikert

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