Heikle Groteske
In seiner letzten Oper «Der goldene Hahn» erzählt Nikolai Rimsky-Korsakow, frei nach Alexander Puschkins gleichnamigem Versmärchen, eine «unglaubliche Geschichte» (so der Untertitel): Ein Intellektueller, ein Machthaber und eine freie Frau treffen aufeinander. Der Astrologe benutzt den Zaren Dodon, um in den Besitz der Zariza von Schemachan, einer Orientalin, zu gelangen. Doch das Naturwesen lässt sich weder vom altersschwachen Herrscher noch von dem beschränkten, mit einer Kastratenstimme singenden Wissenschaftler einfangen.
Am Ende – nachdem erst der Zar den Astrologen, dann der Hahn den Zaren getötet hat und das Volk ratlos zurückbleibt – verschwindet die Zariza: lachend. Rimsky-Korsakow hat die Perversion der marionettenhaften Zarenherrschaft mit dem karikaturistischen Pomp hohler Märsche, die Faszination der exotischen Zariza mit farbiger Chromatik und glitzernden Koloraturkaskaden eingefangen.
Von der politischen Satire mit ihrer parodistischen Drastik ist in Anna Matisons Inszenierung, die 2014 am Sankt Petersburger Mariinsky-Theater Premiere hatte, nicht viel übrig geblieben. Sie reduziert das rätselhafte, dennoch unmissverständliche Stück auf ein poppig-buntes ...
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– Gianni Schicchi/La vida breve:...
Der Titel einer vor drei Jahren im Verlag Königshausen & Neumann erschienenen Essaysammlung über die «große, komische Oper» des Magdeburger Kapellmeisters trifft die Sache auf den Punkt: «Das ungeliebte Frühwerk». Gewiss, von Zeit zu Zeit tauchte das durch Wilhelm Heinses libertäres «Ardinghello»-Utopia und Shakespeares «Maß für Maß» inspirierte «Liebesverbot» in...
Es ist gerade mal zwölf Monate her, da drohte das größte Freiluftopernfestival der Welt, seit 1913 ob seiner großartigen Bühnenspektakel gerühmt, unrettbar in den Bankrott zu schlittern. Eine angesichts ungebrochener Popularität paradoxe Situation, die auf das inkompetente Management des Veroneser Bürgermeisters Flavio Tosi und des von diesem engagierten...
