Guter Rat
Wie reagieren Musiker auf dieselben Fragen? Wo ergänzen sie sich? Inwiefern helfen widersprüchliche Aussagen bei der Lösung praktischer Probleme? Der Tenor Donald George und die Pianistin Lucy Mauro haben sich ein Experiment ausgedacht: Sie interviewten namhafte Sänger über Grundlagen, Möglichkeiten, Gefahren und Schlüsselerfahrungen ihres Berufs. Die Ergebnisse bündelten sie aber nicht in personenbezogenen Kapiteln, sondern streng thematisch.
Geht es etwa um den idealen Sitz der Stimme und den daraus resultierenden «schönsten Ton», finden sich in dem Band «Master Singers» kurze, prägnante Statements von Stephanie Blythe, Lawrence Brownlee, Nicole Cabell, Joseph Calleja, Thomas Hampson, Jonas Kaufmann und Simon Keenlyside. Statement reiht sich an Statement. Zwar sind nicht alle Auskünfte erhellend und präzise, in der Summe aber durchaus bereichernd. Thematisch wird das ganze Feld des Gesangs abgeschritten, unterschiedlich lang und unterschiedlich intensiv: Bühne, Umgang mit Dirigenten, Stimmbildung, Unterricht, Karriereplanung, Opern- versus Konzertbühne, Oper als Business, szenisches Spiel.
Ausschließlich um szenische Umsetzung kümmert sich die Berliner Regisseurin Dagny Müller in ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Christoph Vratz
Die Musik klingt, als wäre ihr die Buße für eine unbekannte Schuld auferlegt. Vielleicht die der späten Geburt. Bedenkt man, dass bereits 1965 – ein halbes Jahrhundert vor dieser Uraufführung von Jan Klusáks «Philoctetes» Mitte Mai 2015 im Antonin-Dvorák-Theater zu Ostrava – am gleichen Ort ein Happening John Cages mit Merce Cunningham und Robert Rauschenberg über...
Das lange Sterben Violettas beginnt bereits bei geschlossenem Vorhang, mit den ersten Tönen des Preludio, Vorecho jenes zerbrechlichen Klanggespinstes in den hohen Violinen, das auch den letzten Akt von «La traviata» eröffnet und prägt. Es liegt nahe, Verdis Vorgriff auf das Ende der Oper auch szenisch zu realisieren. Genau das macht Rolando Villazón in seiner...
Sie haben es versucht im Staatstheater Oldenburg. Das muss man anerkennen, auch wenn die Sache szenisch gründlich schief ging, ja zum Ärgernis geriet. Denn «La Dame Blanche» hätte es wahrlich verdient, auf Augenhöhe wiederentdeckt zu werden. Seit 16 Jahren gab es in Deutschland keine neue Inszenierung mehr. Dabei war sie, 1825 uraufgeführt, bis Ende des Ersten...
