Graue Geister
Die Themen sind uralt, mehr noch: Sie bilden sogar die Grundrezeptur von (Musik-)Theater. Liebe, Tod, sich daraus entspinnende Konflikte, unlösbar (oder endend) im Licht – bis hin zu extremen, perversen Ausprägungen, wo es beispielsweise um missbrauchte Stieftöchter geht, die nach abgeschlagenen Prophetenköpfen gieren. Insofern erzählen uns Georg Friedrich Haas und Händl Klaus mit ihren Opern nichts Neues.
Verstörend wird es, weil sie diese alten Themen nicht biblisch, historisch oder legendenhaft verbrämen, sondern mit der Wucht des Alltagsunheils in unseren abendlichen Musiktheaterkonsum einbrechen lassen; ob sie nun wie im 2021 uraufgeführten «Bluthaus» von einer missbrauchten Tochter, in «Thomas» (2013) von letzten Atemzügen im Krankenzimmer oder in «Koma» (2016) von eben jenem Zustand zwischen Dies- und Jenseits berichten.
Alle drei Werke als Zusammenschau, das war der Plan von Serge Dorny an der Bayerischen Staatsoper. Die Idee des Frühlingsfestivals hat er aus Lyon mitgebracht. Zugleich verlässt das hehre Haus damit seinen Sockel und kooperiert mit anderen Münchner Institutionen. Der Titel «Ja, Mai» ist hintergründig. Nicht nur der Monat ist gemeint, sondern auch das ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Markus Thiel
Im Januar 1907 stürmt eine höchst energische Britin in das Büro des jungen Kapellmeisters Bruno Walter in der Wiener Staatsoper und zwingt ihn, unerbittlich von seinem Klavier Besitz ergreifend, eine ganze Oper über sich ergehen zu lassen: «The Wreckers», ein finsteres, an der Küste von Cornwall spielendes Stück um eine verbrecherische Methodistengemeinde, die...
Benjamin Bernheim, der neue französische Tenorstar, widmet sein zweites Recital dem «Boulevard des Italiens». In Paris mit einer französischen Oper zu reüssieren, war seit den frühen 1770er-Jahren das Wunschziel jedes italienischen Komponisten. Die von Verdi sarkastisch als «grande boutique» apostrophierte Opéra geriet unter italienischen Einfluss, zugleich änderte...
Einst war einmal im grünen Wald der Max,
Der wollte frei’n des Erbförsters Agathen.
Doch länger schon, ihr könnt‘ es sicher raten,
Gab’s selten Fleisch daheim, und wenn: vom Dachs.
Ein Jägerchor macht «Trallala» und rotzt
Den Becher voll mit Bier und Speisebreien.
Da hilft beim Weber Carl nur weiter Schreien,
Auf dass man dann halt weiter säuft – und kotzt.
Der...
