Graue Geister

Das Festival «Ja, Mai» der Bayerischen Staatsoper präsentiert in München zwei Opern des Autorenduos Georg Friedrich Haas und Händl Klaus

Die Themen sind uralt, mehr noch: Sie bilden sogar die Grundrezeptur von (Musik-)Theater. Liebe, Tod, sich daraus entspinnende Konflikte, unlösbar (oder endend) im Licht – bis hin zu extremen, perversen Ausprägungen, wo es beispielsweise um missbrauchte Stieftöchter geht, die nach abgeschlagenen Prophetenköpfen gieren. Insofern erzählen uns Georg Friedrich Haas und Händl Klaus mit ihren Opern nichts Neues.

Verstörend wird es, weil sie diese alten Themen nicht biblisch, historisch oder legendenhaft verbrämen, sondern mit der Wucht des Alltagsunheils in unseren abendlichen Musiktheaterkonsum einbrechen lassen; ob sie nun wie im 2021 uraufgeführten «Bluthaus» von einer missbrauchten Tochter, in «Thomas» (2013) von letzten Atemzügen im Krankenzimmer oder in «Koma» (2016) von eben jenem Zustand zwischen Dies- und Jenseits berichten. 

Alle drei Werke als Zusammenschau, das war der Plan von Serge Dorny an der Bayerischen Staatsoper. Die Idee des Frühlingsfestivals hat er aus Lyon mitgebracht. Zugleich verlässt das hehre Haus damit seinen Sockel und kooperiert mit anderen Münchner Institutionen. Der Titel «Ja, Mai» ist hintergründig. Nicht nur der Monat ist gemeint, sondern auch das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 7 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Wohnzimmerfest

Den nationalen Theaterpreis «Goldene Maske» öffentlich zu verleihen, wie es bislang 28 Mal üblich war, ist in Krisenzeiten ein Ding der Unmöglichkeit. Man weiß in Russland um die starken emotionalen Reaktionen der Theatermacher und kann sich ausmalen, wie sie bei ihren Bühnenauftritten in der einen oder anderen Form ihren Protest gegen den Krieg zum Ausdruck...

Unter Leuten

Faltenröcke machen früh alt. Jener, in dem die verträumte Bücherratte Tatjana steckt, lässt die junge Frau zu Beginn bereits wie ihre eigene Oma aussehen, die mit Vorliebe vom Damals erzählt, als die Zukunft noch so viel besser war. Doch die Schwärmerin singt sich in ihrer Briefszene empor aus dem wohlsortiert-langweiligen Landleben jenes Spießbürgeridylls, das...

Koksen, Posten, Tanzen

Die Händel-Festspiele in Halle fanden dieses Jahr zum 100. Mal statt. Man begeht die Feier traditionell mit Ausstellungen, Konzerten, einer Konferenz mit diversen Händel-Spezialisten – und natürlich mit Opernaufführungen in der Oper Halle sowie im idyllischen Goethe-Theater Bad Lauchstädt, das noch der Dichterfürst höchstpersönlich nach seinen Vorstellungen und...