Grandios gescheitert
Zuletzt sorgte die Oper Halle vor allem wegen der erbitterten, öffentlich ausgetragenen Kontroverse um die künstlerische Leitung für Furore. Aber auch mit dem Theaterpreis des Bundes, der ausdrücklich die innovative Ausrichtung des Hauses nennt, die sich unter anderem im Konzept einer die Grenze zwischen Zuschauern und Akteuren aufhebenden Raumbühne erkunden lasse.
In der Begründung der Jury werden ferner Projekte wie die mehrstufige Überschreibung von Giacomo Meyerbeers Grand Opéra «L’Africaine» genannt, die auf eine Neubewertung des Stücks aus der Perspektive afrikanischer Künstler zielte.
Mit kraftvollen Motti waren die vier Etappen dieses Versuchs einer postkolonialen Anverwandlung versehen: «Auseinandersetzung mit den Ahnen», «Versöhnung», «Reinigung», «Verwandlung». Große Worte, denen die Beteiligten zuletzt allerdings kaum noch folgten. Vielmehr wirkte die vierte und letzte Aufführung wie eine etwas verdrehte Reprise der ersten Bearbeitung, die Meyerbeer über weite Strecken intakt gelassen und durch gelegentliche Einschübe in der Art des Dokumentartheaters und allerhand Verfremdungskniffe etwas aufgeraut hatte. Auch am letzten Abend dominiert Meyerbeer; die Neukompositionen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Regine Müller
Das O am Namensende ist kein Schreibfehler. «Antigono» – so heißt ein Libretto von Pietro Metastasio, das erstmals 1743 von Johann Adolph Hasse vertont wurde und eine beachtliche Karriere hinlegte: Wohl mehr als 50 Komponisten brachten ihre eigene Version heraus, darunter Christoph Willibald Gluck. Sein 1756 in Rom uraufgeführter «Antigono» stand im Mittelpunkt...
Karlheinz Stockhausens monumentaler Musiktheaterzyklus «Licht» scheint Konjunktur zu haben: Anfang Juni hatte das Holland Festival mit 14 Stunden immerhin die Hälfte in Szene gesetzt, vier Wochen später realisierte nun Le Balcon zwei Vorstellungen des «Samstag» in Paris, nachdem es im vergangenen Herbst bereits den «Donnerstag» an der Opéra Comique herausgebracht...
Die Geschichte stimmt nachdenklich, wenn nicht traurig. Doch der Titel eines wunderbaren Buches von Mirjam Pressler gibt Anlass zur Hoffnung: «Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen». Etwas in dieser Art dürfte Ralf Waldschmidt empfunden haben, als er die Partitur jenes im Jahr 1900 vollendeten Stücks durchblätterte, das nach seiner späten...
