Weg mit den Alten

Gounod: Roméo et Juliette
Luzern | Theater

Es gibt ihn also doch noch. Den roten Opernvorhang. Er teilt die Welt in ein Diesseits der schnöden Realität und ein Jenseits der magischen Möglichkeitsform des Musiktheaters. Just am Theater Luzern, wo der sonst gern selbst regieführende Intendant Benedikt von Peter in mutigen Raumkonzepten an der Aufhebung eben dieser Trennung arbeitet, behauptet die Oper dank der Inszenierung des einstigen Chéreau-Assistenten Vincent Huguet einfach mal wieder ihre Eigenweltlichkeit.

Da dürfen Juliette (Regula Mühlemann) und Roméo (Diego Silva) als wahre Novizen der Liebe so herzerweichend knutschen, sich gar inniglich umschlingen, als hätte es ein ironische Brechungen und kritische Befragungen bemühendes Regietheater nie gegeben.

Doch es geht hier nicht (nur) um die äußerliche Renaissance einer vergangen geglaubten theatralischen Tradition, sondern sehr wohl um die steinharten Verkrustungen in den Köpfen und Herzen jener Menschen, die der unerlaubten Liebe des zum Mythos geronnenen Pärchens partout keine Chance geben wollen. Die archaischen hohen Mauern, die Aurélie Maestre auf die kleine Luzerner Bühne gestellt hat, sind mindestens so klaustrophobisch wie die «Elektra»-Bildwelten der letzten, ...

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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Peter Krause