Gotteskinder

Giordano: Mese Mariano /
Puccini: Suor Angelica
LIÈGE | OPÉRA ROYAL DE WALLONIE

Opernwelt - Logo

Die Kombination ist dramaturgisch schlüssig: Zwei veristische Einakter, beide im Milieu katholischer Ordensfrauen angesiedelt, überdies ist jeweils ein verstorbenes Kind konstitutiv für die Handlung. Umberto Giordanos «Mese Mariano», 1910 am Teatro Massimo in Palermo aus der Taufe gehoben, führt in ein von Nonnen betriebenes Waisenhaus. Dorthin musste Carmela ihren kleinen Sohn abschieben, als Preis für die Heirat mit einem Mann, der kein unehelich geborenes Kind aus einer Vorgängerbeziehung unter seinem Dach duldet.

Die Mutter möchte den Sohn im Waisenhaus besuchen, der aber ist in der Nacht zuvor verstorben. Die Oberin des Instituts bedient sich einer barmherzigen Notlüge, indem sie der Mutter erklärt, das Kind sei verhindert, weil es gemeinsam mit den anderen Waisen die Lieder für den Marienmonat einübe, den Mese Mariano.

Für das Libretto formte Salvatore Di Giacomo sein eigenes Schauspiel gleichen Titels um. Zentrum des Werks ist die große Erzählung, in der Carmela der Oberin den traurigen Lebenslauf des Kindes schildert. Hierzu freilich fehlt Giordano der kompositorisch lange Atem. Regisseurin Lara Sansone spult die Geschehnisse schnörkellos, aber leicht betulich ab. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Michael Kaminski

Weitere Beiträge
TV-Klassiktipps März 2022

alpha

06.03. - 21:45 Uhr
Rudolf Buchbinder spielt Brahms' 2. Klavierkonzert

Das zweite Klavierkonzert von Johannes Brahms, vom Komponisten ironisch als «kleines Konzertchen mit Scherzo» bezeichnet, ist eines der wichtigsten Klavierkonzerte der Romantik und gleichzeitig ein Vorbild für eine Vielzahl symphonisch konzipierter Solokonzerte in seiner Nachfolge.

arte

01....

Me, myself und die Gefängnispsychologin

Eine etwa 3 x 3 Meter große Gefängniszelle. Ein sprödes Klappbett. An die Wand gekettet. Dicke Gitterstäbe zwischen den beiden Menschen. Diese beiden Menschen: Das können in Béla Bartóks 1911 komponierter, 1918 in Budapest uraufgeführter Oper «Herzog Blaubarts Burg» nur der Herzog selbst und seine ihm zugetane Judith sein. Denn mehr Bühnenpersonal gibt es hier...

Fressen sie Kaninchen?

Ein alter Mann besucht eine Beerdigung. Dem Grab entsteigt ein kleines Mädchen, das ihn ärgert und das er deshalb an ein Seil bindet, während seine Gattin es lieber gleich erschießen würde. Aus dem Mädchen wird eine Teenagerin, die eine andere Teenagerin kennenlernt und mit ihr ein paar Dutzend Kinder bekommt. Aber leider wird sie von einem zufällig umherirrenden...