Göttingen, Händel: Atalanta
Wenn zwei Königskinder sich trauen und der König dazu eine Oper bestellt, dann darf das Ganze, dem Anlass gemäß, nicht wild oder gar anstößig geraten. Für Georg Friedrich Händel half da 1736 in London ein Stoff, der uns heute beachtlich albern erscheint. Zwei Paare, die sich ihrer Zuneigung gewiss sind, stellen in zweieinhalb Stunden alles Mögliche an, um genau dies zu verbergen: Verkleidung, harmlose Intrigen, falsche Liebesschwüre mit den daraus resultierenden Eifersuchtsszenen, umgeleitete Liebesgeschenke, Verzweiflung, gespielt und echt.
Dann plötzlich ist alles wieder gut, und Gott Merkur steigt hernieder, um dem königlichen wie dem ländlichen Paar seinen Segen zu erteilen.
Es leuchtet ein, warum Händel hier unterhalb seiner Möglichkeiten blieb. «Atalanta» ist eine nette Unterhaltung, ein Geniestreich mit den Gefühlsabgründen seiner Meisterwerke ist sie nicht. Deshalb wohl wurde das Werk auch kaum je szenisch aufgeführt.
Die Premiere bei den Händel-Festspielen setzte von der Bühne bis in den Graben auf historische Aufführungspraxis. In den barockisierenden Kulissen bewegten sich die Figuren in üppigsten Kostümen, das Wildschwein und gar das abschließende echte Feuerwerk (dass ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Beinahe unter der Hand ist in den letzten Jahren einer der wichtigsten Aufnahmezyklen der Operndiskografie herangewachsen: Die Einspielung der großen Gluck-Opern bei der Archiv Produktion kann sich durchaus mit dem Großprojekt der Aufnahme aller Vivaldi-Opern beim Label Opus 111 messen. In beiden Fällen wird das Qualitätsniveau dadurch gehalten, dass verschiedene...
Toscanini hat ihn ermuntert, die Kollegen Puccini und Mascagni haben ihn gelobt, aber heute wird man den Namen des Komponisten Domenico Alaleona (1881-1928) selbst in einem besseren Opernführer vergebens suchen. Seine Oper «Mirra», mit der er 1913 einen Wettbewerb gewann, die aber erst 1920 in Rom uraufgeführt wurde, verschwand trotz anfänglichen Erfolgs bald in...
Für Volker Klotz ist «Der Zigeunerbaron» der Modellfall einer Operette auf Abwegen, gezeichnet vom «überanstrengten Pathos und Sentiment», ein anachronistisches Werk, das weit hinter Offenbach zurückfällt, im Grunde also eine missglückte Große Oper. Dass sie musikalische Qualitäten hat, die über das Genre hinausweisen, steht nicht im Widerspruch zu dieser...
