Götter und Menschen im Zoo

Eine Anthologie zeigt eindrucksvoll, dass die ersten Bayreuther Festspiele ein veritables Gesellschafts-, Kultur und Medienereignis waren

Opernwelt - Logo

Als im August 1876 die Festspiele in Bayreuth mit Richard Wagners «Ring» eröffnet wurden, war das Echo in den Medien gewaltig. Allein aus Deutschland reisten über 60 Rezensenten in die fränkische Provinz, die New York Times schmückte ihre Titelseite mit Artikeln über Bayreuth, alle wichtigen Blätter der europäischen Metropolen berichteten ausführlich. Ob zustimmend oder ablehnend, in einem Punkt zeigten die versammelten Kritiker sich einig: Die Festspiele waren das kulturelle Ereignis der Stunde, vielleicht sogar des Jahrhunderts.

 

Nicht alle, aber einen repräsentativen Teil dieser Berichte, Kritiken und Erinnerungen hat Bernd Zegowitz versammelt. Vertreten sind in dem Band «Die ersten Bayreuther Festspiele 1876» vor allem die Pressestimmen aus Wien und Berlin, angereichert durch exemplarische Beiträge aus New York, Paris und London. Die zum Teil privaten Aufzeichnungen beteiligter Künstler wie Felix Mottl oder Lilli Lehmann ergänzen die öffentliche durch eine eher private Perspektive. So gewährt diese Anthologie einen detaillierten Eindruck vom Geschehen auf dem Grünen Hügel, vom gesellschaftlichen Auftrieb, von der Probenarbeit, vor allem aber von der zeitgenössischen Kritik. 

D ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Christian Gohlke

Weitere Beiträge
Nur wer die Sehnsucht kennt ...

Rusalka» boomt. Allein im Südwesten Deutschlands steht Dvořáks populärste Oper in dieser Spielzeit in Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg auf dem Spielplan. Das Thema ist en vogue: Rusalka, die Nixe, die glaubt, im falschen Körper zu leben. Die mit einer anderen Identität aber auch nicht glücklich wird – das klingt nach 21. Jahrhundert. Kateryna Sokolova lässt sich...

Das Eis schmilzt

Es könnte sich gut in einem kleinen italienischen Opernhaus abspielen, was nach Cio-Cio-Sans berühmter Arie »Un bel di, vedremo« passiert: Die Primadonna steht in einem sehr konventionellen Bühnenbild auf dem Steg im Rampenlicht und schüttelt die ausgebreiteten Arme für noch mehr Bravi. Im begeisterten Publikum befinden sich augenscheinlich Claqueure, der Dirigent...

Weiche, Wotan, weiche!

Die Rezeptionswege des Wagner’schen Œuvres sind verschlungen. Und führen zuweilen sogar in die Welt der Trivialkultur. Das bunte, manchmal schrille Universum der im Marvel-Verlag beheimateten Superhelden-Comics verdankt den durch Wagner gewandelten Mythen einiges. «Die fantastischen Vier», «Iron Man», ganz zu schweigen von dem auf den Donnergott zurückgehenden...