Glaubensfrage

Gluck: Iphigenie in Aulis Kaiserslautern / Pfalztheater

«Und, was glauben Sie?» – unter diesem Motto setzt sich das Pfalztheater Kaiserslautern spartenübergreifend mit der Antike auseinander. Das Musiktheater ist mit «Iphigenie in Aulis» dabei, der ­weniger bekannten von Glucks beiden Tantaliden-Opern, die die Vorgeschichte des Trojanischen Krieges beschreibt: Heerführer Agamemnon liegt mit seiner Flotte wegen anhaltender Windstille in Aulis fest und soll auf Geheiß des Oberpriesters Kalchas die Götter durch die Opferung seiner Tochter Iphigenie freundlich stimmen.

Aber seine Frau Klytämnestra und Iphigenies Bräutigam Achill stemmen sich gegen den barbarischen Akt.

Regisseur Benjamin Schad erzählt die Geschichte in klassischer Strenge: hoch konzentriert, schnörkellos. Das minimalistische Bühnenbild, das ohne Accessoires auskommt, signalisiert mit seinen mächtigen, düsteren Mauern Unbeweglichkeit. Die Kostüme sind durchweg cremefarben gehalten, nur in Nuancen unterscheiden sich Kriegervolk und Fürsten.

Den Figuren sind klare Charakteristika zugewiesen: ein zögerlicher, hin- und hergerissener Agamemnon, eine zunächst naive, dann an den Herausforderungen reifende Iphigenie, der zornige Held Achill, dessen große Gesten Ratlosigkeit verbergen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Dieter Lintz

Weitere Beiträge
Editorial

Wir wussten, dass Gerard Mortier nicht mehr viel Zeit bleiben würde. Dass er den Tag im Mai, an dem «Opernwelt» und der «Ring Award» in Graz sein Lebenswerk mit einem neuen Preis für Musiktheater, dem «Mortier Award», würdigen werden, womöglich nicht mehr erleben könnte. Er hatte sich sehr über die Initiative gefreut und die Statuten des Preises mitbestimmt. Nun...

Diseusenkunst

Keine Illusionen mehr zu haben und dabei weder zu verzagen noch zynisch zu werden; das Schlechte nicht cool zu finden und das Gute nicht lächerlich zu machen; von der Welt und den Menschen nicht viel zu erwarten, aber trotzdem den Anstand zu wahren – das ist Kunst. Und es war im Besonderen die Kunst des musikalischen Kabaretts im Berlin der Weimarer Republik, die...

Wahlverwandtschaften

Mehr als Scharnierwerke zwischen verebbender Romantik und heraufdämmernder Moderne sind das. Und es scheint, als habe mit Blick auf diese Phase der musikalischen Entwicklung Richard Strauss auch beim Lied (wie bei der Oper) den Repertoire-Sieg davon­getragen. Dabei erkunden die Mini-Dramen eines Franz Schreker, Alexander Zemlinsky, Othmar Schoeck oder Wilhelm...