Glaubensfrage

Gluck: Iphigenie in Aulis Kaiserslautern / Pfalztheater

Opernwelt - Logo

«Und, was glauben Sie?» – unter diesem Motto setzt sich das Pfalztheater Kaiserslautern spartenübergreifend mit der Antike auseinander. Das Musiktheater ist mit «Iphigenie in Aulis» dabei, der ­weniger bekannten von Glucks beiden Tantaliden-Opern, die die Vorgeschichte des Trojanischen Krieges beschreibt: Heerführer Agamemnon liegt mit seiner Flotte wegen anhaltender Windstille in Aulis fest und soll auf Geheiß des Oberpriesters Kalchas die Götter durch die Opferung seiner Tochter Iphigenie freundlich stimmen.

Aber seine Frau Klytämnestra und Iphigenies Bräutigam Achill stemmen sich gegen den barbarischen Akt.

Regisseur Benjamin Schad erzählt die Geschichte in klassischer Strenge: hoch konzentriert, schnörkellos. Das minimalistische Bühnenbild, das ohne Accessoires auskommt, signalisiert mit seinen mächtigen, düsteren Mauern Unbeweglichkeit. Die Kostüme sind durchweg cremefarben gehalten, nur in Nuancen unterscheiden sich Kriegervolk und Fürsten.

Den Figuren sind klare Charakteristika zugewiesen: ein zögerlicher, hin- und hergerissener Agamemnon, eine zunächst naive, dann an den Herausforderungen reifende Iphigenie, der zornige Held Achill, dessen große Gesten Ratlosigkeit verbergen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Dieter Lintz

Weitere Beiträge
Tschechischer Orpheus

Im Jahr 2012 wurde in Dresden ein Märchenschatz gehoben: Jaromir Weinbergers «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» (siehe OW 5/2012). In dieser Oper folgt der Titelheld dem Räuber Babinsky in die weite Welt hinaus, entflammt eine Eisprinzessin, macht dem Teufel das Leben zur Hölle und kehrt dann zurück ins traute böhmische Heim, zu seiner Dorotka. 1927 machte dieser...

Wiedergänger im Aquarium

Verdis dicker, bankrotter Ritter Sir John Falstaff zeigt in Frankfurt den justiziablen Stinkefinger – allerdings nur auf dem Plakat, mit dem die Oper für Verdis bitterböse Komödie wirbt. Auf der Szene selbst geht es in Keith Warners Inszenierung eher gefällig zu. Warner, Boris Kudlicka und Kaspar Glarner (die für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnen), zeigen...

Der Klotz des Damokles

Verdis «Nabucco» ist eine Ansammlung starker Statements: Kampf der Kulturen, mosaisches Gesetz gegen Götzendienst, Liebe gegen Staatsraison, Machterschleichung und Apostasie – ein Knäuel von Handlungsfäden, jeder für sich ein ganzer Opernstoff, verpackt in emotional aufgeladene Gesangsnummern, mit mächtigen Chören dazwischen. Roland Aeschlimann, verantwortlich für...