Getanzte Märchenwelt
In Linz ist Platée nicht nur eine hässliche Sumpfnymphe, wie sie Rameau für sein «Ballet bouffon» aus dem Jahr 1745 geschaffen hatte. In der Inszenierung von Anthony Pilavachi stellt sie eine alte, schlabbrige, unförmige Kröte mit hängenden, warzigen Brüsten, fettigem, klebrigem Haar vor: bekleidet mit einer Oma-Strickjacke und mit Schwimmflossen an den Füßen. Sie wohnt in einer Favela-Bude, die überall von grünem Glibber überzogen ist.
Welch ein Kontrast zur hehren Götterwelt, die sich einen Spaß mit der naiven Nymphe treibt, indem sie ihr vorgaukelt, kein Geringerer als der herrliche Jupiter habe sich in sie verliebt und wolle sie heiraten.
Bei der Uraufführung, die anlässlich der Hochzeit der Prinzessin Teresa von Spanien mit dem französischen Prinzen Louis stattfand, fühlte sich die Festgemeinschaft von diesem Sujet, das ursprünglich als Karnevalsbelustigung gedacht war, ganz und gar nicht amüsiert. Dummerweise konnte sich die Braut auch noch angesprochen fühlen, denn sie soll keine Schönheit gewesen sein.
Pilavachi schafft mit dem hervorragend singenden und agierenden Tenor William Saetre als Platée eine unterhaltsame Mischung aus Komik, Slapstick und getanzter Märchenwelt. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Über die Krise des Verdi-Gesangs lässt sich wohlfeil klagen. Ausgeblendet wird dabei meist eine nicht minder bedenkliche Krise der Verdi-Regie. Diese letztere Krise greift besonders dann, wenn die Produktionen eine gewisse Etat- und Gagenklasse überschreiten. Vor allem davon künden die hier vorgestellten DVD-Neuerscheinungen, egal ob sie Aufführungen von 2008 oder...
«Ich weiß, dass ein Komponist manchmal in der Nähe des Feuers sein muss. Foerster, Novák – man sieht, dass sie an kalten Öfen sitzen.» Dies gesteht Janácek am 26. Januar 1928, ein halbes Jahr vor seinem Tod, mit brutaler Offenheit seiner Frau Zdenka. Denn der damals 74-Jährige saß, wie er seinen Kollegen Josef Bohuslav Foerster und Vítezslav Novák unterstellt,...
Zum hundertsten Geburtstag von Peter Anders (1908-1954) gab es bei verschiedenen Firmen Neuauflagen seiner Schallplattenaufnahmen. Das Label «audite» hat jetzt mit einem Doppelalbum nachgelegt, das sich auf Rundfunkproduktionen des Berliner RIAS konzentriert. Anders war zu dieser Zeit im Begriff, vom lyrisch-dramatischen zum Heldentenor zu wechseln – 1950 gab er in...
