Getanzte Märchenwelt

Linz: Rameau: Platée

In Linz ist Platée nicht nur eine hässliche Sumpfnymphe, wie sie Rameau für sein «Ballet bouffon» aus dem Jahr 1745 geschaffen hatte. In der Inszenierung von Anthony Pilavachi stellt sie eine alte, schlabbrige, unförmige Kröte mit hängenden, warzigen Brüsten, fettigem, klebrigem Haar vor: bekleidet mit einer Oma-Strickjacke und mit Schwimmflossen an den Füßen.  Sie wohnt in einer Favela-Bude, die überall von grünem Glibber überzogen ist.

Welch ein Kontrast zur hehren Götterwelt, die sich einen Spaß mit der naiven Nymphe treibt, indem sie ihr vorgaukelt, kein Geringerer als der herrliche Jupiter habe sich in sie verliebt und wolle sie heiraten.

Bei der Uraufführung, die anlässlich der Hochzeit der Prinzessin Teresa von Spanien mit dem französischen Prinzen Louis stattfand, fühlte sich die Festgemeinschaft von diesem Sujet, das ursprünglich als Karnevalsbelustigung gedacht war, ganz und gar nicht amüsiert. Dummerweise konnte sich die Braut auch noch angesprochen fühlen, denn sie soll keine Schönheit gewesen sein.

Pilavachi schafft mit dem hervorragend singenden und agierenden Tenor William Saetre als Platée eine unterhaltsame Mischung aus Komik, Slapstick und getanzter Märchenwelt. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2010
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Birigit Pauls

Vergriffen
Weitere Beiträge
Groteske auf Umwegen

Der Weg von Prokofjews erster großer Oper «Der Spieler» verlief alles andere als geradlinig. Der Komponist schrieb sie während der Kriegsjahre 1915-1917 auf ein selbst verfasstes Libretto nach Dostojewskis gleichnamigem Roman von 1866, war ihm doch eine Uraufführung am St. Petersburger Mariinsky Theater in Aussicht gestellt worden. Der Ausbruch der...

Paradise Lost

Es beginnt ruhig. Bassflöte, Bassklarinette und Fagott spinnen eine leise, dunkel getönte Melodie: e – e – d – e – a. Wie ein Engramm eröffnet sie Aribert Reimanns neue Oper. Was da klingt, ist der Name der Titelheldin: Medea (wobei das M als mi=e gilt). Ein fallender Ganzton und eine aufsteigende Quart prägen die Bewegung. Später kommt eine fallende Terz dazu....

Kraftprobe

Wandernde Produktionen sind das tägliche Geschäft einer Landesbühne. Doch Wagners «Ring» im Gepäck? Geht das? Das Landestheater Detmold geht damit ein singuläres Projekt an, das an den europaweit mit Sonderzügen auf die Reise geschickten «Ring» Angelo Neumanns in den 1880er Jahren denken lässt, ohne dass damit ein Vorbild oder gar ein Vergleichsobjekt benannt wäre....