Geniestreiche und Kopfgeburten
Die dritte Welle der Pandemie scheint überstanden. Man blickt zurück. «À la recherche du temps perdu»? Nein, eine «verlorene Zeit» ist es nicht gewesen. Es war eine Zeit des Innehaltens, eine Zeit zum Ordnen von Eindrücken, zum Überdenken von Positionen, auch eine Zeit des In-Frage-Stellens.
Was ist haften geblieben von den Eindrücken, wie Oper unter erschwerten Bedingungen ablaufen kann? Wie könnte es weitergehen?
Einen Höhepunkt in dieser von Corona und den mit ihr einhergehenden Einschränkungen bestimmten Saison setzt Christof Loy gleich zu Anfang mit seiner Salzburger «Così-fan-tutte»-Realisierung. Man blickt auf eine schlicht-weiße Wand mit zwei großen Türen, vor der sich das gesamte Geschehen in differenziert ausgefeilter Personenführung abspielt, zwischen Melancholie und Übermut und voll ansteckender Laune. Eine Art der «neuen Einfachheit», bei der das Werk im Mittelpunkt steht, ohne von außen herangetragene Regie-Einfälle, ohne Schielen nach einer überzustülpenden Konzept-Idee. Ein Geniestreich, der den Blick auf Mozart neu eröffnet.
Üppiger in der Ausstattung fällt Hamburgs «Manon» aus (Inszenierung: David Bösch) – eine beschwingte, leichtfüßige Inszenierung voller ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 92
von Gerhart Asche («Weser-Kurier», «Bremer Nachrichten», Bremen)
Der unbeugsame Wille zur Macht wird ihm zum Verhängnis. Schon bei Shakespeare. Und ebenso in Giuseppe Verdis Vertonung, einem der dunkelsten Stücke aus der Feder des italianischen Komponisten. Macbeth wird letzlich Opfer seiner (Macht-)Fantasien. Wenn man Luca Salsi an der Wiener Staatsoper erlebt hat, weiß man, wie nahe er dem Irrsinn dabei kommt. Salsi entpuppt...
Dass der Autor Clemens Meyer ein schrill-schräger und ziemlich schlauer Typ ist, weiß jeder, der seine Romane gelesen hat. So auch Meyers Nachtstück Im Stein, welches in grellen Bildern die Suche einer durch den Mauerfall schwer irritierten Generation nach ihrer Identität und nach dem Sinn des Lebens schildert. An den Bühnen Halle sollte eigentlich in dieser...
Ein guter Regisseur zeichnet sich, wie ebenfalls ein guter Dramatiker, dadurch aus, dass er die Wirklichkeit vermittels einer Fabel zu überhöhen weiß. Einem großen Regisseur gelingt es zudem, die Protagonisten dieser Fabel zu radikal authentischen (und autonomen) Bühnengestalten zu formen. Lorenzo Fioroni kann das, das zeigte sowohl seine Inszenierung von Dusapins ...
