Gemeinsam empfinden
Das Dirigentenzimmer im fünften Stock des Opernhauses besticht durch sachliche Eleganz: blaue Auslegeware, schwarze Sofagarnitur, Besuchertisch und Stühle, im Regal aufgereiht Partituren. An der Garderobe hängt ein schlichtes schwarzes Abendkleid, auf einer Kommode steht eine Dose Kaugummis, daneben ein Parfümflakon. Viel hat sie noch nicht mitgebracht, die Neue, aber auf dem Schreibtisch steht bereits ihr elektrischer Anspitzer für die Stifte, die zahlreich parat liegen; ein Tischstaubsauger entfernt die Hinterlassenschaften des Radiergummis.
Anna Skryleva, Anfang 40, schwarz gekleidet, die blonden Haare am Hinterkopf gebändigt, legt die Noten von Leokadiya Kashperovas h-Moll-Symphonie auf den Tisch. Sie kommt gerade von der Probe, in wenigen Tagen findet das erste Konzert der Spielzeit mit der deutschen Erstaufführung dieses Werks statt. Es ist Skrylevas Einstand auf der Bühne als Magdeburgs Generalmusikdirektorin.
Aber eigentlich ist ihr dieser Titel zu kompliziert. Stattdessen begrüßt die gebürtige Moskauerin die Zuschauer in ihrem Blog mit «Hallo, ich bin Anna!» Sie will Ängste abbauen, ins Gespräch kommen, dem Publikum nah sein und auch ihrem Orchester. Ein Video zeigt ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Nora Sophie Kienast
Ach, das waren noch Zeiten in Salzburg. Damals, bei den Osterfestspielen. Herrlich unbeschwert. Jedenfalls solange Herbert von Karajan der König war. Von 1967 bis 1989 leitete er das Gourmet-Festival, als Maestro, Regisseur, Lichtgestalter und Programmdirektor. Mit einer Aufführung von Richard Wagners «Walküre» hatte er es am 19. März 1967 eröffnet, um freie Bahn...
Da geistert eine Figur durchs Geschehen, die haben sie in den Proben den «Tod» genannt. Später heißt er Hippolyte. Er taucht bald hier auf, bald dort. Verschwindet wieder, ist nicht greifbar. Geheimnisvoll, gespenstisch wird er zur heimlichen Hauptperson, zum Stichwortgeber, zum Drahtzieher. Der Tod, das muss ein Wiener sein? Man spielt den «Rosenkavalier» von...
Das Ende ist trostlos. Und hinreißend. Ummantelt von kaltem, grauen Beton, kauert Manon Lescaut zu Füßen jener vier riesigen Lettern, die ihr von Beginn an etwas versprachen, was sie nie zu halten vermochten: «LOVE». Wie vom Winde verweht ist diese Liebe, hinfort jede Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Glück, das Dasein ein einziger großer Irrtum: Seit mehr als...
