Geliebter Hades
«Orpheus und Eurydike», 1923 entstanden und 1926 in Kassel uraufgeführt, ist neben der zweiten Symphonie eines der Hauptwerke aus Kreneks expressionistisch-atonaler Frühphase. Während er sonst die Texte zu fast allen seinen Opern selbst schrieb, griff er hier zu Oskar Kokoschkas 1919 im Druck erschienenen Drama – einer modernen Version des antiken Stoffs, die gleichermaßen von Strindbergs Kampf der Geschlechter wie von den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs geprägt ist.
Die Beziehung des Sängers Orpheus zu seiner Gattin Eurydike wird aller humanistischen Überhöhung entkleidet und – im Zeichen Freuds – als schonungslose Analyse einer Hassliebe vorgeführt. Die Furien töten Eurydike und entführen sie in die Unterwelt. Als Orpheus nach fünf Jahren hinabsteigt, bekennt sie, die Geliebte des Hades geworden zu sein. Orpheus wird wahnsinnig, von den Mänaden erhängt und will trotzdem in einer letzten visionären Begegnung mit dem Geist Eurydikes von seiner Liebe nicht lassen: «Hinter der Liebe bis in den Tod steckt – Hass!» Ein entsühnendes Nachspiel, in dem die mit Amor wiederversöhnte Psyche die aufgehende Sonne begrüßt, beschließt das Stück.
Krenek gelingt es, dieses Drama ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der erste «Walküre»-Akt kommt einem «Kommando zurück!» gleich. Richard Wagners liebende Geschwister hatte «Rheingold»-Regisseur David Hermann in seinem Blick voraus verzückt übereinander herfallen lassen (siehe OW 9-10/2016). Nun strafte «Walküren»-Regisseur Yuval Sharon die Zukunftsvision seines Kollegen Lügen. Zurückhaltender ward die Liebesszene selten...
In einem Interview mit dem Berliner «Tagesspiegel» hat Barrie Kosky bereits 2013, kurz nach seinem Amtsantritt als Intendant der Komischen Oper, den Dreisatz verraten, mit dem er die in Deutschland so schlecht beleumundete Operette zu neuem Leben erwecken will: «Du musst den Stil lieben, du musst die Stücke mit Stars besetzen, und du musst dich darauf ...
Herr Visser, gab es ein Erlebnis, das Sie für die Oper entflammen ließ?
Ich stand zwar früh während der Schulzeit in Theaterstücken auf der Bühne, aber ich erinnere mich, wie ich zufällig im Fernsehen eine Übertragung von Wagners «Ring» sah, die Amsterdamer Produktion von Pierre Audi. Während mein Vater Fußball guckte, sah ich fasziniert die «Walküre», eine...
